Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 163
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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Gletſcherfahrt. Heimkehr. 163

Das war's, was der Wolken blaufeuriges Leuchten,
Kaltſchimmernd ſie glaſtig durchhüpfender Blitz,
Der nirgend gezündet,
Das war's, was der rollende Donner vertündet:
König Winter fiel in das Alpenreich ein
Und ſchüttet mit allfreigebiger Hand
Frau Holdas Flocken auf Triften und Land.

Wie anders denn geſtern in herbſtgoldnem Schein
Schaut heute Hochland und Ferne darein!
Derweil wir ſchliefen, iſt Unfug geſchehn.
Iſt's erlaubt, Herr heimlich gekommener Gaſt,
In einer Nacht eine ſolche Laſt
Vor unſere Türe zu blaſen und wehn?
So kniehoch gehäuft und getürmt iſt der Guß,
Daß Schaufel und Hacke geſchwungen ſein muß,
Bis vor der Klauſe Beſtand wird dem Fuß.

Hei, Berge und Tal, verwandeltes Bild!
Im Tannwald, der unſre Felsſchlucht umſäumt,
Hat jedes einzelnen Baumes Stamm
Ein neu Gewand um die Aſte gelegt.
Eisummadelt, beſchleiert und weiß
Blinkt, fein überhaucht von ſtrahligem Reif,

Ihr ſonſtig finſtergrün Dunkel.

Begraben ſeufzt die entblümte Alm,
Vereinſamt ſtrebt nur ein ſchlankerer Halm,
Ein höher Geſträuch
Aus ſtarrer Todesumhüllung empor
Und wiegt ſich frierend im Winde.

Und du, o See,
Der uns, die Waldnacht durchſchimmernd, ſo oft
Mit deines Spiegels Smaragdſchein gelabt,
Was geſchah mit dir?
Unwillig, einem Verdroſſenen gleich,
Als wolle erlöſchend für immer zergehn
Deines Auges ſeelenvoll feuchter Glanz,
Starrſt matt du herauf, grauſchmutzig und trus,


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