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Waldfrevel. Morgengruß bei der Waldmühle. Stilles Heim. 191
Das Fenſter dort oben im ſonnigen Glaſt,
Drob gurrend die Tauben fliegen,
Birgt einen viel zu verehrten Gaſt,
Als daß ich bliebe verſchwiegen.
Die Büchſe hoch! Hut ab dazu!
Gutheil ſei dieſem Tage! ...
Der einzige Schuß, den ich heute tu',
Iſt eine Schickſalsfrage.
Froh drück' ich los. Paff! kracht der Schuß
Lieb Gaſt, ſei ohne Sorgen,
Mein Büchſenhahn kräht fragenden Gruß
Und Weidmanns Gutenmorgen!
Nun ſchnattert, ihr Enten und Gänſe, laut,
Und verkündet im Hof den Genoſſen:
„In der Mühle ſchläft eine, noch iſt ſie nicht Braut,
Doch ſie träumt von dem, der geſchoſſen.“
Zwölftes Blatt.
Stilles Heim.
Hell blinkt die Zinnengiebelwand,
Beſtreift von den Hecken der Eiben,
Und die Dreizahl der Erker ſchimmert ins Land
Mit den runden Bleiglasſcheiben.
Hell blinkt Torgitter und Pfeilerportal,
Drei Stufen führen herunter
Zum Höflein, und am verſchilften Kanal
Nährt ſich der Entenſchwarm munter.
Efeu und wilde Rebe ſchwankt
Ob der Hofmauer rinnenden Bronnen,
Hält Hag und Laubgang kraus umrankt
Und die Erker mit Dickicht umſponnen.
Gott grüß dich, Schlößlein, Waldidyll,
Das ſtets nach Nöten und Fehden
Raſt bietet friedſam, flott und ſtill:
Ein buſchverborgen Eden.
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