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Einleitung des Herausgebers.
Seinem Freunde Schwanitz ſchrieb Scheffel unter dem 20. Mai
1878: „Wenn Du mir den Gefallen tuſt, die von mir handſchrift-
lich vorhandenen Dichtungen der frühſten Zeit zu verbrennen, ſo
bleibt mir auch kein Wunſch mehr übrig. Daß die Ausbeutung
letzterer in der Sffentlichkeit mir allemal einen äſthetiſchen
Schmerz bereitet, bedarf keiner Erläuterung. Da ich vieles ge—
ſchaffen, was ſchöner iſt, ſo geht der Stoff nicht aus, wenn auch
das alte Zeug in Lethe verſenkt wird.“
Schwanitz und die Nachwelt mit ihm haben dieſem Wunſche
nicht entſprochen. Sie konnte hier wie ſonſt das Recht ſich nicht
nehmen laſſen, einen Stoff zu bewahren und der Hffentlichkeit
zu unterbreiten, der ihr die Einſicht in das Werden eines be—
deutenden Menſchen vermittelt. Bald nach dem Tode des Dich-
ters ſchon hat ſein Sohn aus dem Nachlaſſe des Vaters zwei Bände
Gedichte veröffentlicht („Gedichte aus dem Nachlaß“, 1889; „Aus
Heimat und Fremde“, 1892). In Zeitſchriften und kleineren
Veröffentlichungen geſellte ſich manches hinzu; manches, das
der Dichter in die von ihm veröffentlichten Bände nicht aufge-
nommen, war vor ſeinem Tode ſchon mit oder ohne ſein Zutun
gedruckt worden. Eine reichliche Auswahl des Bezeichnenderen
legen wir auf den folgenden Blättern nach inhaltlichen Gruppen
geordnet vor. Wir müſſen dem Dichter zugeben: es befindet
ſich nur weniges darunter, das dem von ihm ſelbſt Veröffent—
lichten an Wert gleichkommt, nichts, das es überträfe; der ge—
ſchichtliche Belang iſt für denjenigen, der Scheffels Lebens- und
Entwickelungsgang ſich nach Möglichkeit verdeutlichen möchte.
immerhin nicht gering.
Unter den „Bummelliedern“ — das iſt die in Scheffels
Briefen immer wiederkehrende Bezeichnung für dieſe ſcherzhaften
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