Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 198
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0271
198 Rachleſe.

Gedichte — findet ſich auch, nachdem wir manches ausgeſchieden
haben, viel Zugendliches und Unreifes. Es iſt teilweiſe Kneip—
zeitungsdichtung nach Art und Witz. Eine Reihe von Traveſtien
deutſcher, ſchottiſcher und ſerbiſcher Volksdichtung, Heineſcher
und Schillerſcher Gedichte, der Hegelſchen Philoſophie bezeichnen
den Umkreis und die Lebhaftigkeit der literariſchen und philo⸗
ſophiſchen Studien des jungen Zuriſten. Auch die ſtarke politiſche
Richtung der Zeit erſcheint faſt nur in poſſenhafter Verzerrung.
Das „Reiterlied“ und „Der Rodenſteiner“ ſind die einzigen
Stücke von ernſthafterer Abſicht, die in letzterem Gedichte doch

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durch das eingefügte „Rumplum“ ſchon wieder geſtört wird.

Anteil fordert in der ganzen Gruppe weſentlich die Tatſache,
daß alle Beſtandteile Scheffelſcher Lyrik der ſpäteren Zeit hier
ſchon keimhaft erſcheinen: Witz, Satire und Fronie, Trink- und
Wanderluſt, Natur und Geſchichte in ernſt- und ſcherzhafter Be—
handlung ergriffen, mit langſam wachſendem Vermögen dar—
geſtellt. Wie unvollkommen zeigt ſich im Mangel aller feſſelnden
Einzelheiten etwa noch ein Gedicht wie „Der wahre Kaiſer“,

während wir den Dichter im „Simſon“ ſchon im vollen Beſitze

all ſeiner Mittel erblicken. Wie ſehr hat die Beherrſchung von
Sprache und Vers bei ihm zugenommen, von der oft gequälten
Ausdrucksweiſe, der gezwungenen Wortſtellung, der willkürlichen,
von Vers und Reim abgenötigten Verwendung mundartlicher
oder altertümlicher Sprachformen bis zu ihrer freien und ſicheren
Verwendung in ſpäterer Zeit. Literariſche Abhängigkeiten treten
ſehr deutlich hervor, Heine vor allem erſcheint beſtimmend für
Form und Gehalt. An Ludwig Eichrodts Art, des Verbindungs
bruders und Freundes, erinnert „Biedermanns Abendgemütlich-
keit“ in Vorwurf und Reimkunſtſtücken; dem Studium von Dau⸗
mers Hafis entſprang „So ſtudiert man in Heidelberg“.
Im Gegenſatz zu dieſer erſten Gruppe gehören die „Gelegen-
heitsgedichte“ meiſt in die ſpätere Lebenszeit Scheffels und
heiſchen wie die „Widmungen“ mehr als Beitrag zur äußeren
Lebensgeſchichte des Dichters Aufmerkſamkeit, da ſie den Umkreis
ſeiner perſönlichen Verbindungen und Belange abmeſſen laſſen.
Man ſieht leicht an dem wechſelnden Ergebnis, wo der Dichter
ungezwungen und mit dem Herzen geſchaffen, wo er ſich invita
Minerva den geforderten Beitrag abgepreßt hat.

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