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200 Rachleſe.
Religion gewidmet, neben voll Gelungenem, wie dem zierlich
muſikhaften „Eile, mein Schifflein“, dem kraftvoll friſchen „Lied
des Eggbauern“. Verſteckt in dem „Walter von Hallwyl“ der
Dichter ſich wieder hinter epiſcher Maske, ſo erhalten wir daneben
auch unmittelbare Bekenntniſſe, wie ſie Scheffel bei Lebzeiten
mit verſchwindender Ausnahme ſorgfältig im Schreibtiſch ver—
ſchloſſen hielt. Lieder an die verſtorbene Schweſter geſtalten,
ſehnſuchtsvoll nach dem JZenſeits greifend, was der Dichter ver—
trauten Freunden in Briefen der Zeit vielfach ausſprach. Anderes
iſt den Beziehungen zu Emma Heim entſprungen, darunter das
prächtige „Wiederſehen“, deſſen Genuß nur der unverſtändliche
Kehrreim beeinträchtigt. Wanderfreude und Hochlandsluſt, Glück
des in reiner Bergluft Geneſenen erweckten weitere Lieder.
Die Gruppe der „Denkſprüche“ gibt, Eigenes und Ange—
eignetes mengend, ſtarkherzigen und fröhlichen Gedanken, auch
manchem, waos die Zeitverhältniſſe aufregten, eine mehrfach recht
gelungene Prägung.
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