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1. Bummellieder und ſcherzhafte Gedichte. 207
— Er nahm die Flaſch', es ſchmeckt' ihm gut,
Er trank ſie völlig aus,
Zuletzt ſprach er: „s iſt hohe Zeit,
Geſell, ich muß nach Haus.
„Doch ſag' ich dir, wenn jeder wär'
Hier oben ſo wie du,
So blieb ich gleich bei euch und ſtieg
Nicht mehr zur Grabesruh'!“
Drauf wankt' er in ſein Grab zurück
— Die Erde ihn umfing;
— Er mocht' etwas betrunken ſein,
Als er von dannen ging.
* *
X
Das war die Nacht am Hünengrab,
Ich hatt' meine Freude dran;
Sah draus, daß auch mit Geiſterſpuk
Man ſich vertragen kann.
Beim Einſiedler.
An ſchatt'ge Felſenwand gelehnt
Steht die Einſiedelei;
Einſiedel vor der Schwelle ſaß
Und rief mich gleich herbei:
„Sei mir willkommen, junges Blut,
In meinem Waldrevier,
Geh' nicht vorüber, — ſetz' dich erſt
Her an den Tiſch zu mir.
„Hab' du nicht Angſt, ich plage dich
Mit Gebet und Litanei'n,
Ich lobe Gott in andrer Art,
's wird auch die deine ſein.“
Drauf nach dem Keller ging er hin,
Das war ſeine Hauskapell',
In langen Reihen lagen drin
Die Flaſchen weineshell.
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