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Nachleſe.
Wo ich dreizehn Stunden kämpfte, —
Das haſt du mir angetan.
„Schnöd' haſt du uns hingeſchmettert,
Wie der Blitz die Königseichen,
Untern Tiſch des Heldenſaales
In dem Schloſſe von Kametza.
„Dröhnend fiel der alte Schabacz,
Dröhnend Lazarus Brankowitſch',
Doch am dröhnendſten von allen
Fiel ich ſelbſt unter die Bänke.
„Ja, das war ein Trunk, wie niemals
Vater Noah ihn getrunken,
Und ob dieſem lieg' ich jetzo
Auf der Wieſe von Kametza,
„Lieg' wie ein todmüder Löwe,
Bleiſchwer ſind mir alle Glieder,
Bleiſchwer iſt mir auch der Schädel,
Bleiſchwer auch die Kraft des Denkens.
„Und am liebſten möcht' ich ſchlafen,
Schlafen möcht' ich, liebe Mirjam,
Drum — mit teilnahmvollen Reden
Laß mich gütigſt ungeſchoren.“
— Sprach's der edle Fedorowitſch,
Gähnend reckt er ſeine Glieder,
Legt ſich auf die andre Seite,
Und in kurzem tönt ein Schnarchen
Auf der Wieſe von Kametza
Durch den Duft der Thymiankräuter,
Durch den Duft der wilden Roſen:
Schnarchen, wie es nie geſchnarcht ward,
Nicht im Feld von Kragujewatz,
Nicht auf Argantakas Bergen,
Nicht im Tale der Morawa.
Und das treue Rößlein Mirjam
Wandt' ſein Haupt in ſtiller Trauer,
1 Wuk Brankowitſch verriet den Zaren Laſar 1389 auf dem Amſelfelde,
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