Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 240
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0313
240 G Nachleſe.

Die Auſter, die war ſpröde,
Sie blieb in ihrem Haus;
Ob der Hering ſang und ſeufzte,
Sie ſchaute nicht heraus.

Nur eines Tags erſchloß ſie
Ihr duftig Schalenpaar;
Sie wollt' im Meeresſpiegel
Beſchauen ihr Antlitz klar.

Schnell kam der Hering geſchwommen,
Streckt ſeinen Kopf herein
Und dacht' an einem Kuſſe
In Ehren ſich zu freun!
O Harung, armer Harung,
Wie ſchwer biſt du blamiert!
— Sie ſchloß in Wut die Schalen,
Da war er guillotiniert.

Jetzt ſchwamm ſein toter Leichnam
Wehmütig im grünen Meer
Und dacht': „In meinem Leben
Lieb' ich keine Auſter mehr!“

Der wahre deutſche Kaiſer'.

Herr Wenzeslaus von Böhmen, der war ein waͤckrer
Mann,
Er ſaß beim Rheinweinfaſſe vom frühſten Morgen an,
Und war ihm das langweilig, ſo ging er auf die Jagd:
Aus den Regierungsſorgen hat er ſich nichts gemacht.
Sankt Nepomuk, der Fromme, der predigte ihm Buß',
Herr Wenzel ſprach mit Lachen: „Man werf' ihn in den
Fluß!
Das helle Moldauwaſſer wird ihm gedeihlich ſein:
Bleib jeder bei ſeinem Leiſten, ich bleib' bei meinem Wein!“

1 König Wenzel hatte 1393 den Generalvikar des Erzbiſchofs von Prag,
Johann von Nepomuk, in die Moldau ſtürzen laſſen. 1400 ſprachen die
deutſchen Kurfürſten in Renſe ſeine Abſetzung aus. 1411 trat er ſeine An—
[prüche an das Kaiſertum an Siegmund ab.


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