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1. Bummellieder und ſcherzhafte Gedichte. 241
Ein Herold kam geritten und bracht' die ſchlimme Mär,
10 Daß er von Stund des Reiches und Throns verluſtig wär'!
Herr Wenzel ſtrich den Schnurrbart und ſprach: „Das
iſt mir Wurſt!
Ich bin ein Menſch vor allem, drum hab' ich immer Durſt.
Und ſoll ich den nicht ſtillen von wegen meiner Kron'’,
So mag der Teufel holen den deutſchen Kaiſerthron!
15 Viel lieber ein Privatmann beim vollen Faſſe Wein,
10
Als ein geplagtes Laſttier, ein deutſcher Kaiſer ſein!“
Er ließ ſich penſionieren und trank dann friſch und froh,
— Und wenn ich Kaiſer werde, ſo mach' ich's ebenſo!
Trinkſpruch.
Ein braver Kerl trinkt immerdar,
So viele Tag' es gibt im Fahr
Dreihundertfünfundſ echzʒig
Und wenn das Fahr ein Schaltjahr iſt,
Trinkt er als Biedermann und Chriſt
Dreihundertſechsundſechzig!
Kunz von Kauffungen'.
Kunz von Kauffungen mit zwei Rittern
Saß in der Waldſchenk' und trank einen Bittern.
Da beſoff ſich einer von den Rittern,
Fiel untern Tiſch, daß die Wände zittern.
Kunz von Kauffungen mit einem Ritter
Saß in der Waldſchenk' und trank einen Bittern.
Da beſoff ſich der andre von den Rittern,
Fiel untern Tiſch, daß die Wände zittern.
Kunz von Kauffungen ohne die zwei Ritter
Saß in der Waldſchenk' und trank einen Bittern.
1 Die Entführung der ſächſiſchen Prinzen Ernſt und Albrecht, Söhne des
Kurfürſten Friedrich II., aus dem Schloſſe in Altenburg durch Kunz von Kauf⸗
fungen und die Ritter von Moſen und von Schönfeld im Fahre 1455 iſt in
deutſcher Dichtung vom 16. bis ins 19. Jahrhundert vielfach ernſthaft be—
handelt worden.
Scheffel. 1. 16
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