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1. Bunumellieder und ſcherzhafte Gedichte. 245
10 Der Karren ſteckt — es naht kein helfend Dreigeſpann,
Kein vorwärts treibend ſegensvoller Peitſchenknall.
Den Helden hab' ich glücklich auf die Burg verführt,
Fetzt ſollt', in hoffnungsloſer Liebe Labyrinth
Verſtrickt, er taumeln ohne jeden Rettungsknäul,
15 Da ſucht mich Geiſtesarmut heim und Hungersnot,
Und böte einer eine blanke Tonne Golds
Für plaſtiſche, naturgetreue Darſtellung
Der Neigung meines frommen Mönchs und Hofkaplans
Zur herzoglichen Witib, die ihm Schülerin,
20 Nicht wüßt' ich Rat — in dumpfem Harren ſtreicht der
Tag,
Es ſtreicht die Nacht, es leuchtet noch kein Hoffnungsſtern.
Gedankenvoll den Finger nach der Stirn geſtreckt,
So lieg' ich brütend in der Feſte Trümmerſturz,
Die Eule ruft, ſie ruft mir keine Tröſtung zu,
25 Und höhniſch kriecht der Igel durch das junge Gras.
Unwillig drum verlaſſ⸗ ich oft mein Felſenneſt
Und pflanze mich in Singen auf die Kegelbahn,
Bei ſauerm Seewein kegeln ihren Rambo dort
Der Baumwollſpinner und der bad'ſche Kontrolleur,
30 Der Gutsbeſitzer, dem das junge Obſt erfror,
Der Lehrer und ſein Schultyrann, der Pfarrvikar.
Doch dort auch ſprießt für mich die Friedenspalme
nicht,
Und manchen Pudel werf' ich in das volle Ries'.
Was iſt zu tun? ſo frag' ich zweifelmütig mich,
35 In ſtiller Nacht rückklimmend auf den dunkeln Berg.
Es pfeift der Sturm, er pfeift mir eine Antwort her:
„In deinem Leben nimmermehr verſuch' dich am
Geſchichtlichen Roman, wenn die Geſchichte fehlt
Und zum Roman dein eigen Hirn nicht fähig iſt!“
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1 Alemanniſche Bezeichnung für das aufgeſtellte Kegelſpiel.
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