Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 247
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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1. Bummellieder und ſcherzhafte Gedichte. 247

Da reitet auf hölzernem Klepper
Ein blaſſer Strohmann herbei.

Der Strohmann ſchwingt höhniſch die Lanze
Und weiſt ihnen Wege und Ziel —
Ich glaub', er führt Böſes im Schilde,
Ich glaube, das Stroh wuchs in Kiel.
Weh uns! Fetzt ſtürmt es im Fluge
Gen Heidelbergs Mauern heran —
Und das hat mit ſeinem Buche
Der Hofrat Holtzmann getan.

Durſt in Venedig'.

Benedig iſt eine ſchöne Stadt,
Doch im Sommer iſt ſie zu heiße;
Was frommt mich der feurigſte Zyperwein,
Wenn das Herz ſich ſehnet nach Eiſe?

Was frommt mich mein prunkender Marmorſaal
Im verlotterten, alten Palazzo?
Tret' ich hinaus auf den hohen Balkon,
Schlimm duftet der Canalazzo.
Die braune Cecccha ſtreckt ſich und gähnt,
Zum Haß wie zur Liebe zu faule,
Und ſelbſt Sankt Markus' ehernem Leu
Hängt die Zunge ſchlaff aus dem Maule.

Wie traurig, wenn ein Gerechter muß
An verhaltenem Durſte leiden!
O, könnt' ich über die Alpen zur Stund'
Auf geflügelter Schildkröte reiten!
Weit über die Alpen in kälteres Land,
An des Neckars wald'ge Reviere,

1 Von Scheffels unerquicklichemn Aufenthalt in Benedig in Geſellſchaft
Feuerbachs im Choleraſommer 1855 berichtet ausführlich die „Venetianiſche
Spiſtel“ vom 18. Juni 1855 und der Eingang des „Gedenkbuchs über ſtatt-
gehabte Einlagerung auf Kaſtell Toblino“ (Band 4 dieſer Ausgabe). Hier
erfahren wir auch, daß in Scheffels Gaſthof, dem Palazzo Canal, Schildkröten
gehalten wurden.


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