http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0324
1. Bummellieder und ſcherzhafte Gedichte. 251
Ich führ' dich ins Auertheater ...
Bavaria, neig' dich in Huld!“
Er flüſtert es leis und begehrlich
Und umſchlingt ihre Hüfte mit Macht,
Seine Augen funkeln gefährlich ...
Doch die Rieſenjungfrau lacht.
„Schaugt's den an, den Borromäus,
Was glaubt der Dalk, daß i ſei?!
Sie Wüſcht'r, Sie Zölibatäus,
Laſſen's mi aus etzt oder i ſchrei!!“
Sie ſchüttelt die Locken zum Hohne,
Grimm ſträubt ihr Löwe die Mähn'!...
Der heil'ge Koloß von Arone
Ward nie mehr bei Sendling geſehn.
— ,—
Scheffels Willkomm beim Erſcheinen von Knapps
Nechtsphiloſophie'.
Mit hoffnungserſtarrtem Gelenke
Und unmutverzerrtem Geſicht
Spricht jahrelang Ferdinand Enke:
„Vollbringt er's, vollbringt er’s nicht?
Noch ließ ſich kein Sterblicher mahnen
Wie dieſer Autor, der geht
Auf hyperboliſchen Bahnen
Wie meines Ahnherrn Komet'!“
Doch unbeirrt reitet indeſſen
Am Neckar Herr Ludwig Knapp
Und ſpricht, wie ein Weiſer gemeſſen,
Vom arabiſchen Schimmel herab:
1 Ludwig Knapp, geb. 1821 in Harmſtadt, Privatdozent an der Uni⸗
verſität Heidelberg, geiſtvoller Zuriſt, zugleich leidenſchaftlicher Reiter und
eifriges Mitglied des „Engeren“, der „Knapp“ der Rodenſteinlieder (vgl. oben,
S. 244). Sein bedeutendes Wert „Philoſophie des Rechts“ in ſeiner Vollen-
dung durch mißliche Umſtände verſchiedener Art in Knapps Lebensverhältniſſen
lange verzögert, erſchien endlich 1856 im Verlage von Ferdinand Enke in
Erlangen. — ² Johann Franz Enke (1791—1865), Aſtronom, berühmt
vor allem durch ſeine in ihrem Ergebnis überraſchende Beſtimmung der Bahn
des 1818 von Pons entdeckten, ſeither nach Enke benannten Kometen.
—
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0324