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260 Nachleſe.
3. Trompeterlieder.
Lieder jung Werners.
I.
Zu Enſisheim im Elſaß
Da liegt ein ſchwarzer Stein',
Der fiel aus blauem Himmel
In unſre Welt herein.
Ich konnt's einſt nicht begreifen;
Jetzt bin ich auf der Spur,
Seit ebenſo vom Himmel
Die Liebe in mich fuhr.
II.
Madonna an dem Rheine,
Zu dir mein Gruß ſich ſchwingt,
Dieweil mit mildem Scheine
Dein Licht hernieder blinkt.
Ich darf dir anvertrauen,
Wohin mich trägt der Kahn —
O, wolle gnädig ſchauen
Auf meine dunkle Bahn.
III.
Der Wächter rief die Mitternacht
Im Städtlein unten am Rheine,
Da ſtand ich auf des Eggbergs? Höh',
Auf mooſigem Geſteine.
Kienfackel, die als Leuchte mir
Den finſtern Pfad erhellet,
Die hab' ich dort mit ſtarker Fauſt
Hoch in die Luft geſchnellet.
1 Des Steines erinnert man ſich aus dem 11. Buche von Goethes „Dich-
tung und Wahrheit“: „In Enſisheim ſahen wir den ungeheueren Aerolithen
in der Kirche aufgehangen und ſpotteten der Zweifelſucht jener Zeit gemäß
über die Leichtgläubigkeit der Menſchen.“ Der Stein iſt am 7. November 1492
vom Hirnmel gefallen; er wird jetzt im Rathauſe bewahrt. — ² Bei Säckingen.
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