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Nachleſe.
„Mich küßt aus Morgenträumen
Der Zephir lind und ſacht,
Es hält zu meinen Füßen
Die ſcharfe Aloe Wacht.
„So leb' ich hier ein ſtrahlend,
Ein innig ſchön Gedicht.
Was will der deutſche Fichtbaum? —
Ich kenn' den Träumer nicht.“
Lieder des ſtillen Mannes.
I. G
Ob du vieles auch erkannteſt
In des Denkens wildem Fagen,
Darfſt das Beſte, was du fandeſt,
Nimmer doch den andern ſagen.
Glauben ſonſt, du ſeiſt vernarret
Und du triebeſt dumme Sachen;
Höhnend tönt und höhnend ſchnarret
Hinter deinem Schritt ihr Lachen.
Wer der andern Blick will richten
Auf den Schmerz, der ihn gepeinigt,
Wird von ungewaſchnen Wichten
Angebellt und hart geſteinigt.
Armes Treiben, arme Leute!
Vorwärts ſtrebe unverdroſſen,
Doch des Wiſſens beſte Beute
Halt' in deiner Bruſt verſchloſſen.
II.
Altes Sein und Denken
Auseinanderfällt,
Mußt dir ſelber ſchenken
Eine neue Welt.
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