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5. Vermiſchte Gedichte. 285
Es war ein munt'res Regen
Zu Wagen und zu Fuß,
Der Morgen lud ja alle
Zu fröhlichem Genuß.
Und zu dem luſt'gen Treiben
Da ſangen die Vöglein drein,
Da glänzten die Frauentürme
Im Morgenſonnenſchein.
— Doch zwei, die ſtanden beiſammen
In all der Luſt und Pracht,
Sie wollten allbeide wandern
Und doch hat keiner gelacht.
Sie ſchauten nicht auf zur Sonne,
Die hell den Weg beſchien,
Sie zogen nicht fröhlich weiter
Fürbaß die Straße hin.
Sie ſchauten ſich beid' in die Augen,
Die waren ſo tränenſchwer,
Sie drückten ſich beid' an die Herzen,
Die waren ſo freudeleer.
— Was war denn wohl den beiden?
Was machte ſie ſo trüb?
„Ach Gott! ſie mußten ſcheiden
Und hatten einand' ſo lieb!“
II.
Zu Heidelberg am Neckar
Da ſteht ein hohes Haus,
Da geht ein heit'rer Geſelle
Tagtäglich ein und aus.
Er geht in die dumpfen Hallen
Zur Univerſität,
Viel lieber noch auf die Berge,
Vom Sturmwind friſch umweht.
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