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Nachleſe.
Die Mutterliebe.
Ein Kleinod iſt das allerbeſt',
Das pfleg' ich wohl und halt' es feſt
Und halt' es hoch in Ehren:
Das iſt die Mutterliebe gut,
Die gibt mir immer neuen Mut
In allen Lebensſchweren.
Und iſt dein Herz ſo freudenleer,
Und iſt dein Aug' ſo tränenſchwer,
Blick in ihr Aug' hinein:
Das hat gar lichten, hellen Strahl
Und trocknet die Tränen allzumal
Wie Frühlings-Sonnenſchein.
Und wenn einſt die Trompete bläſt,
Und wenn du früh zu ſterben gehſt,
Vom Reiterſäbel hingemäht:
Die Mutter gibt dir als Geleit,
Als beſtes für die Ewigkeit,
Eine Trän' und ihr Gebet. —
Und der dies Lied ſich hat gemacht,
Hat viel an ſeine Mutter gedacht
Im ſtillen Heimathaus.
Er war ein wildverwegner Knab',
Dem ſie noch ihren Segen gab
Mit in die Fern' hinaus.
Ballade.
Ein Röslein ſtand im Garten,
Ein Röslein rot wie Blut,
Das brach er ſpät am Abend
Und ſteckt's an ſeinen Hut.
Er brach's recht unmanierlich,
Frug nicht, ob's auch erlaubt,
Da hat der Sturm im Zorne
Ihm Blum' und Hut geraubt.
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