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5. Vermiſchte Gedichte. 293
Betrübt Sankt Fridolinus
Zu Urſus' Grabmal tritt:
„Steht auf, mein toter Herre,
Steht auf und kommet mit!
„Ihr ſollt mir Zeugnis geben
Zu Glarus in dem Streit,
Friſch auf und ſchlaft nicht weiter,
Der Tod gibt Urlaub heut!“
Hell ſchallt durchs Tal die Glocke,
Es ſchart das Volk ſich dicht.
Zu Glarus auf der Malſtatt
Der Gaugraf hält Gericht.
Zu des Gerichtes Schranken
Tritt Fridolin hinan,
Mit ihm im Sterbelaken
Geht ſtumm ein toter Mann.
Da ſchauern Volk und Richter,
Da ſpricht der Gaugraf leis:
„Der Streit iſt aus, wer fordert
Noch weiteren Beweis?“
Herr Wendel weinet bitter,
Den Bruder kennt ſein Blick ...
Zum Grabe ſchreitet langſam
Der tote Mann zurück.
Des Eggbauern Lied'.
Zur Fern' hinaus ragt hoch das Haus
Des alten Thomas von Egg.
Die Wolken ziehn, die Alpen glühn
Herüber zum Thomas von Egg.
1 Thomas von Egg war als einer der Rädelsführer im ſog. „Salpeter-
triege“ der Hauenſteiner gegen Oſterreich von der öſterreichiſchen Regierung
gefangen und ins Banat abgeführt worden. Von dem dürren Apfelbaum
neben ſeinem zerſtörten Haus geht die Sage, es werde an ihm ein Zeichen
geſchehen, wenn einſt der „Rechte“ kommen und die alten Vorrechte der
Hauenſteiner wiederherſtellen werde (vgl. hierüber den Schluß von Scheffels
Aufſatz „Vom Hauenſteiner Schwarzwald“ in den „Reiſebildern“, Band 4
dieſer Ausgabe). .
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