Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 298
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0371
298 Nachleſe.

Und horch! was ſchlägt an mein lauſchendes Ohr?
Rauſcht nicht aus Äſten und Zweigen hervor
Ihrer Stimme melodiſches Grüßen? 15
O du täuſchender Traum!. ..nur die Droſſel ſingt,
Über Moos und Kräuter der Bergquell ſpringt
Und murmelt leis im Entfließen.

Keines Menſchen Tritt hallt weit und breit,
Der ſchweigende Hauch der Waldeinſamkeit 20
Umweht mich mit ſchauriger Wonne...
Ardenniſcher Tann, o wie hätt' ich dich gern,
Stünd' deinem Dunkel nicht allzufern
Meiner Liebe hochleuchtende Sonne!

Am Quell von Vaucluſe'.

Graugelber Fels, von wenig Grün umſchlungen —
Senkrechte Wand, das enge Tal verſchließend —
Ein Feigenbuſch, aus kahlem Spalte ſprießend —
Stilltiefer Quell, dem Bergesgrund entſprungen:
Das iſt der Ort, wo einſt Petrark geſungen, 85
Der Einſamkeiten ſtilles Glück genießend
Und alte Lieb' in junge Lieder gießend —
O Tal von VBaucluſe — o Erinnerungen!
Ein halb Fahrtauſend iſt talab gerauſchet,
Seit hier die Nymphen Lauras Freund belauſchet — 10
Stumm ruht die ſchatt'ge Wildnis und verſchwiegen,
Doch ewig ſtrömt, wie hier Petrarcas Quelle,
Der Dichtung Born in bergesfriſcher Welle —
Was aus der Tiefe kommt, kann nie verſiegen!

Caritas.

Gleich einer jener ſtrengen Beguinen,
Das Haupt vom weißen Schleier knapp umfloſſen,
Den Leib ins dunkle Ordenskleid gegoſſen,
Doch JZugendanmut in den ſitt'gen Mienen,
1 In einem Landhauſe an der Quelle der Sorgue in Vauceluſe bei Avignon

wohnte Petrarca ſeit 1337 in emſiger ſchriftſtelleriſcher Tätigkeit dem Gedenken
an Laura hingegeben (vgl. das zum vorigen Gedicht angeführte „Reiſebild“).


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0371