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316 Nachleſe.
Nur langſam verglaſtet der blendende Schein
Doch kaum iſt erloſchen der Schimmer,
So hüpft auf den Wellen der Mondenſchein
Mit ſilberweichem Geflimmer.
Vergnüglich ſitzt man am Strande feſt
Und vergißt den Koffer zu packen.
O Radolfzell, du altes Neſt
Mit deinen Mauerwacken!
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Zwei Mainautage.
I.
Warmer Sommer, Ernteſegen,
Friſche Lüfte, klare Nacht,
Wer gedenkt nicht, Sternenhalle,
Dein und deiner Mondſcheinpracht?
Silber ſprühten Lunas Strahlen
Durch des Säntis Wolkenhut,
Zitternd, Sternglanz wiederſchimmernd,
Hob und ſenkte ſich die Flut.
Und die Seele trank des Himmels
Licht ſehnfüchtig wie der See,
Und im Hauch der ewigen Schönheit
Löſte ſich das letzte Weh!
II.
Wooolken grau und Nebelſchleier,
Schnupfenlüfte feucht und ſchwer,
Eingeregnet Schloß und Garten
Und die Sternenhalle leer.
Unverjagt von Weihrauchdämpfen
Schwirrt ein ſpitz Inſektenſummen,
Halb erkältet, halb zerſtochen
Hört man IFnſulaner brummen:
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