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5. Vermiſchte Gedichte. 317
„Ach, auch hier der Kampf ums Daſein,
Auch im Schönen ſolche Haken,
Und kein Paradies auf Erden
Ohne Regen, Rauch und Schnaken!“
Seefahrt.
Will des Lebens Sorge ihr düſter Grau
Dir zeigen in ſpätern Fahren,
So denk' an die Inſel Reichenau
Und wie wir zum Feſtland gefahren!
Grün wogte die Welle, leicht tanzte das Boot,
Harmoniſch erklangen die Lieder —
Ein Hauch von jenem Seeabendrot
Erliſcht in der Seele nicht wieder.
Der Rheinfall.
Zum hohen Randen trägt der Wind ein Brauſen,
Durch hohlzerſpülten Stromgrunds weite Bogen
Kommt voll und breit ein Flutenſchwall gezogen
Und ſtürzt ſich tobend durch die Felſenklauſen.
Das ſind die Donner Gottes, die hier ſauſen,
Das iſt, milchweiß im Schaumgeſtieb der Wogen,
Von Frisglanz neunfarbig überflogen,
Der Fall des Rheins im Tale von Schaffhauſen.
Im Mondenſchein wirſt du ſein Bild betrachten
Vom Hotel Weber und dort übernachten..
Wo Waſſer ſchäumt, will auch der Schaumwein knallen,
Und ſchrilles Pfeifen hörſt du jenſeits ſchallen:
Glutroten Augs ziſcht durch des Bergſchachts Tiefe
Der Neuzeit Drache, die Lokomotive.
1 Ausſichtsreicher Berg nördlich von Schaffhauſen.
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