http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0392
35⁵
10
10
5. Vermiſchte Gedichte. 319
So denke ſein, erſchauſt du
Den Unterſee im Glanz.
Und wind' aus Mettnaublumen
Ihm den Gedächtniskranz!
Kiſſingen.
Kiſſingen — lieblich Tal der Saale,
Hier ſpendet. Zauberin Natur
Mit perlenreichem Sprudelſtrahle
Den Quell Rakoczy und Pandur.
Das iſt das echte Salz der Erde,
Das flüſſig aus der Tiefe ſpringt
Und dem, den Siechtum ſchwer verſehrte,
Verjüngtes Blut und Leben bringt.
Hier wendet alles ſich zum Guten,
Und tauchſt du ſelbſt in Schlamm und Moor:
Du ſteigſt aus ſtygiſch ſchwarzen Fluten
Von Schmerz befreit ſchneeblank hervor!
Mettnauſtimmung.
(Am Allerſeelentag 1880.)
Das war ein Sommer voll Heiterkeit,
Ein Sommer von Gottes Gnaden: .
Kein Berg zu hoch, kein Weg zu weit,
Kein Ufer zu fährlich dem Baden.
Der Landſchaft Zauber, der Farben Pracht
Schuf harmlos glückliche Stunden,
Da ward geſungen, gemalt und gelacht
Und zu Kränzen Blaublumen gewunden.
Heut pfeift der Sturm, heut brandet der See
Mit Giſcht zu des Sträßleins Dämmung,
Froſt ſchauert mich an, und wohin ich ſeh:
Sündflutliche UÜberſchwemmung.
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0392