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3 20 Lachleſe.
Im Erkerſtüblein hangt blaß und verbluht
Der Kranz, den ich niemals vergeſſe.
Und ſorgenmüd wälzt das Gemüt
Fünf ſchwere Zivilprozeſſe.
Aus Heimat und Thurgau bedrohn mich im Chor
Die Nachbargemeinden wie Drachen,
Und ſchnuppernd ſchnappt aus Schilf und Rohr
Des Fiskus Haifiſchrachen.
Kläng' nicht Windharfengetön aus der Höh'
Wie Erlöſung von irdiſchen Nöten,
Ich ſpräche: „Der Teufel hol' dich, o See,
Du Pfütze voll Schlangen und Kröten!“
Zwei Gedenktage'.
I.
16. Auguſt 1689.
In den Wald bei Langenſteinbach dringt der Morgen⸗
ſonne Schein,
Weckt die Schlafer, die drin ſchliefen: traurig Volk in
bunten Reihn,
Durlachs Bürger, alt und jung und reich und arm, in
wirrer Flucht,
Die dort beim Ruinenkirchlein Nachtquartier im Moos
geſucht.
Kühl und kalt von Frankreichs König war dem Heer
Befehl geſandt:
„In der Pfalz und längſt des Rheines wüſtet mir das
deutſche Land!“
Und ſie kamen, Duras, Melac..vor dem welſchen
Pechkranzgruß
Ging, wie Iſrael zur Wüſte, Durlach auf den Exodus?
¹ Die badiſche Reſidenzſtadt Durlach wurde am 14. Auguſt 1689 von
franzöſiſchen Truppen unter Führung des Marſchalls Duras und des Generals
Mélac eingenommen und am 16. Auguſt vollkommen niebergebrannt, nachdem
der Reſt der Einwohnerſchaft am Abend vorher die Stadt verlaſſen hatte. —
² Auszug, inſonderheit Auszug der Kinder Iſrael.
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