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326 achleſe.
. Er indes erſtattet eifrigſt ſeinem Kaiſer Schlachtbericht,
Rühmte Volk und Generale, — von ſich ſelber ſprach er
Prunkhaft durch die Wiener Tore rollt ein langer
Wagenzug,
Der die redenden Trophäen ſeiner kühnen Siege trug,
Alle Beute für den Kaiſer!... ſeiner Liebſten nur ein
Pfand,
Daß er ihr getreu geblieben auf der Wacht am Donau⸗
ſtrand!
In Köprilis goldnem Zelte fand er eine Roſe bleich,
Einer Paradieſesjungfrau Mahomets an Anmut gleich,
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Dieſe ſandt' er der Gemahlin und ſchrieb kurz als Brief .
. dazu:
„O Sibylla, ſchönſte Fürſtin! meines Lebens Stern biſt du!
„Als ich dieſes Kind erblickte, ſchlug mein Herz zwar
etwas wild,
Doch du weißt, daß ich drauf trage in Email und Gold
dein Bild;
Dir drum will ich frei ſie ſchenken, daß ſie deine Sklavin ſei,
Kenn' ich doch auf weiter Erden keine ſüßere Sklaverei!“r-
Schöner Doppelſieg des Helden, der den Schlachten—
preis errang
Und mit zartem Rittermute auch das eigne Herz be—
zwang!
Wem der Abglanz ſolcher Taten ſchon die Kriegerſtirn
geweiht,
Dem ſteht auch im Spiel des Friedens wohl und ſchön ein
Schäferkleid.
Wer wird tritteln noch und lächeln über jenen Mas—
kentand,
Den die Zeit uns aufbewahrt hat an der Favorite Wand?
Von des Helden Liebeslében gibt er heitre Zeugenſchaft,
Doch im Buche der Geſchichte ſteht ſein Bild in ernſter
Kraft!
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