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6. Gelegenheitsgedichte. 331
So hielten ſie den erſten Anprall aus,
Bis im Quartier die Maſſen ſich geſammelt.
Da ward zum erſtenmal die Schlachtmuſik,
Der Kugeln Pfiff und Ziſch — das Knattern klein
Gewehrs,
Das dumpfe Sauſen der Kanonenkugeln
Dem jungen Kriegsmann in der Nähe klar.
Doch er ſtand feſt; — die Bataillone kamen,
Der tapfre Markgraf führt ſie ſelbſt herbei,
Und blut'gen Kopfes wandte ſich der Feind. —
Der Anteil an dem rühmlichen Gefecht,
Er ward dem tapfern Streiter nicht vergeſſen.
Der Friede kam. Da ſchmückt der Kriegsherr ſelbſt
Dem neuernannten Hauptmann mit dem Orden
Die Bruſt, und einen zweiten ſandte ihm
Der Zar von Rußland, damals unſer Freund.
Noch einmal rief die Trommel in den Streit,
Und wied'rum zog er mit der Landwehr aus —
Doch gab's am Rhein nicht allzuviel zu tun,
Die hundert Tage waren bald vorbei,
Und durch den ſchweren, ungeheuren Schlag
Bei Waterloo ward unſerm braven Heer
Die Mühe großer Kriegsarbeit erſpart. —
Es folgten lange Fahre itzt des Friedens,
Und friedlich auch ward unſres Hauptmanns Tun —
Die alten Künſte nahm er wieder auf,
Er lehrte, was er ſelber einſt gelernt,
Die prakt'ſche Wiſſenſchaft des Ingenieurs.
Geſchrieben ſtund im Frieden von Paris,
Es ſoll der Rhein die Landesgrenze ſein —
Doch iſt der Strom in ſeinen alten Tagen
Ein wetterwendiſch wechſelnder Geſell —
Heut treibt er hier den Hauptſchwall des Gewäſſers
Und morgen ſchon verändert er den Lauf,
Tut eine Inſel auf, verſchlingt ſie wieder,
Benagt mit ſcharfem Zahn das Uferland
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