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340 Nachleſe.
Wie man der Bildung zarte Blüte
Aufſproſſen heißt in jungem Gemüte:
Der holden Künſte ſind ſie erfahren
Wohl beſſer denn jene vor ſechshundert FJahren. 530
Ihr Herren, ſtimmt drum mit mir ein,
Den Damen dieſes Glas zu weihn!
III.
Der Herold hebt von neuem an:
„Dies Glas jedwedem Zägersmann!
Des Herz ſich freut, wenn früh im Wald 35
Das Hifthorn ſchallt, die Büchſe knallt,
Und der nicht fehlt, wenn ſcharf gehetzt
Der Edelhirſch durchs Dickicht ſetzt.
O Weidwerk, ritterliche Kunſt,
Du ſcheuchſt dem Haupt der Sorgen Dunſt! 40
Wer tapfer jagt im grünen Tann,
Auch tapfer eſſen und trinken kann,
Das Blut bleibt friſch, der Mut bleibt frei:
Hoch leb' die edle Zägerei!“
Ludwig Eichrodt zur Hochzeit'.
Glückauf, mein Meiſter Ludwig, Ihr habt
Ein gutes Los gezogen,
Und gratulierend zu dem, was Euch labt,
Kommt dieſes Blatt geflogen.
Glückſelig, wem auf ſelbſteigenem Herd 5
Die Suppe im Hafen brödelt,
Derweil ſich der JFunggeſell mitleidswert
Mit fremder Atzung verknödelt.
1 Ludwig Eichrodt, geb. 1827 in Durlach, bekannt als Verfaſſer
ſcherzhafter Lieder, insbeſondere der Biedermaiergedichte (unten, S. 352), hat
Scheffel als Landsmann, Mitſchüler am Symnaſium, Bundesbruder in der
Heidelberger Burſchenſchaft und Freund durchs ganze Leben nahe geſtanden.
Er ſtarb 1892 als Oberamtsrichter in Lahr. Die Hochzeit fand am 2. Februar
1860 ſtatt. .
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