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Nachleſe.
Iſt auch das Haus nicht rieſengroß,
Es war mir eben recht!
Am wohlſten iſt's im kleinen Neſt
Dem biedern Mauerſpecht.
Gegrüßt ſei eure Felſenwand,
Gegrüßt der ganze Berg,
Es iſt mir wenig hoch genug —
Hier ſtand ich als ein Zwerg.
Gegrüßt ſei auch die Nachbarſchaft,
Die Herr'n im Wolkenflor,
Der „Säntis“ und der „Alte Mann“,
Der „Kaſten“ und „Kamor“.
Die ſtehen unerſchütterlich
Auf feſtem Grunde da G
Und lachen ob dem Türkenkrieg'
Und ob der Cholera?.
Und käm'’ ich wieder auf die Welt,
Ich ließ den ganzen Qualm
Und zög' als Appenzeller Senn
Zum AÄAſcher auf die Alm. —
Dies Liedel ſang als Abſchiedsgruß
Ein fahrender Scholar,
Der ſieben Tag' und ſieben Nächt'
Allhier zu Gaſte war.
Er ſchleppte auf den Berg herauf
Viel alte Sorg' und Qual —
Als wie ein Geißbub' lodeind fährt
Er fröhlich jetzt zu Tal.
überanſtrengenden Arbeit am „Ekkehard“ und einer hartnäckigen Augenentzun-
dung erholte ſich Scheffel im Herbſt 1854 beim AÄſcherwirt in 1461 m Höhe
neben dem Wildkirchli, einer ebemaligen Einſiedelei am Abſturz des Säntis. —
1 Dem 1853 ausgebrochenen Krimkrieg. — ² Zwiſchen 1846 und 1859 wurde
Europa faſt jedes Fahr von Cholerak/ Epidemien heimgeſucht.
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