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372 Nachleſe.
„Glänzt dann der Mond ob der Kampenwand,
So geh' ich in mich und ſtrebe
Nach dem heiligen Eiland Frauenwörth
Und der Deckelglas füllenden Hebe.
„Seit jener Geiger am Nil ſpaziert,
Sitz' ich lieber ſelber beim Biere,
Als daß ich durch trunkene Muſizi
Am Ufer mein Leben verliere.
„Ich wälze mich langſam den Strand empor —
Gott grüß' dich, altheilige Linde,
Bei der ich in Dumbſers gaſtlichem Haus
Den erſehnten Veſperſchlurf finde.
„O wohl mir, darf ich den Schuppenleib
Dort unter dem Zunſftſchilde ſtrecken!
Nicht konnt' ich am Ganges je, noch am Nil,
Solch trauliche Herberg' entdecken.
„Und Halbe ſchwindet um Halbe hinweg,
Bis die Leber ſatt ſich geſogen —
O, fraget den Mond und die Sterne nicht,
Wie zurück ich mich wälz' in die Wogen ...
„So leb' ich als Chiemſee-Krokodil
Treufleißig und ohne Ermattung,
Nur eins, ihr Freunde, iſt traurig: ich bin
Das einzige hier meiner Gattung.
„Weiht eine Träne, ihr Freunde, mir!
Der Mann gehört zu dem Weibe;
Es iſt auch dem Krokodil nicht gut,
Daß es allein verbleibe.
„Füngſt trugen an Thaſſilos Nonnenſtift'
Vorüber mich Winde und Wellen,
Da ſchielt' ich verſtohlen, ich weiß nicht, warum,
Empor zu den heiligen Zellen.
wörth.
1Das von Thaſſilo 766 begründete Benediktinerinnenkloſter auf Frauen⸗
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