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374 Nachleſe.
In mancher Freinacht einſtmals Sieger,
Wie manchen Humpen ſchlürft' ich leer!
Fetzt — ach! ein invalider Krieger
Und führe keinen Sarras mehr.
Auch wird kein Fahnen mehr erbeutet
Mit Hieb und Stich beim Rebenblut..
Kaum weiß ich noch, was einſt bedeutet
„Der Staub am Rock“ — „das Ol am Hut“.
Ach! nimmer freuſt das Herz du wieder,
Vielſüßer Lumpenglocke Klang,
Und nimmer machen meine Lieder
Auf Nummer Acht dem Hausknecht bang.
Zum Klaggeſang wird, was ich ſchreibe,
Und Seufzen iſt mein Zeitvertreib;
Anſtatt, daß ich mit andern kneipe,
Kneipt es mich ſelber jetzt im Leib.
Am Breſtenberg iſt eine Quelle,
Draus ſchöpft man täglich mir den Trank;
Der perlt verzweifelt klar und helle —
O ſchweig', mein Lied — auch du biſt krankt...
Ein alter Räuber, fromm geworden
Und von ſich ſelber nur ein Reſt,
Grüßt ſeufzend euch mit Pindars Worten:
„Das Waſſer.iſt...das allerbeſt'!“
Am Hallwyler See?.
In des Weltlärms Haſt und Gellen
Denk' an dieſen ſtillen See,
Freudig ſpiegeln ſeine Wellen
Sonnenlicht und Alpenſchnee.
1 Bgl. das „Gaudeamus“-Gedicht: „Numero Acht“; oben, S. 60. —
2 Während ſeines Aufenthaltes in der Kuranſtalt Breſtenberg am Hallwyler
See ſchrieb der Dichter im Auguſt 1862 obige Verſe einem Fräulein Marie
Weſtermann aus Genf, die er dort kennengelernt hatte, bei ihrer Abreiſe
ins Album.
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