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7. Widmungen, Dank und Grüße. 375
Ihn erfüllt kein ſtürmiſch Toſen,
Keine farbenwilde Glut,
Doch die ſchönſten weißen Roſen
Tauchen träumend aus der Flut.
Und ſo ſei er heut und immer
Gleichnis dir und Ebenbild...
Sonder Prunk und falſchen Schimmer,
Einfach, heiter, klar und mild.
Dank für eine Sonettenſpende'.
Bedacht auf Antwort der Sonettenſpende,
Die Lob und Vorwurf ſanft mir zugeſungen,
Lenkt ſich der Schritt aus engen Niederungen
Zu Dichtung weckend hohem Berggelände.
Doch ſtatt des Klingreims künſtlichem Gebände
Erfüllen mir den Sinn Verſteinerungen;
Und eine hab' ich aus dem Fels gezwungen,
Die ich zum Gegengruß nach Speier ſende.
Als Nautilus im Urmeer einſt geſchwommen,
Als ſtarrer Kalk auf Jurahöhn gekommen,
Verwitternd dann geſprengtem Grat entnommen,
Erbittet ſich der Stein die neue Ehre,
Daß eines Domherrn Briefpult er beſchwere.
Wer geiſtig denkt, ſchöpft auch aus Steinen Lehre.
Den pfälziſchen Weinproduzenten'.
Ihr Männer von Dürkheim und Deidesheim,
Mit euch fühlt der Dichter verwandt ſich;
Ihr gebt ihm für einen einzigen Reim
Sogleich — fünfundzwanzig!
1 Der Speyerer Dichter Domkapitular Dr. Wilhelm Molitor (1819
bis 1880) hatte Scheffel im Jahre 1865 in drei Sonetten hohe Anerkennung
für ſeinen „Ekkehard“ ausgeſprochen, ihn aber getadelt, daß er nicht tiefer
„ins Prieſterherz“ geblickt und die Widerſtände geſchildert habe, die dort der
Verſuchung ſich entgegenſtellen. Scheffel antwortete darauf mit dem obigen
ausweichenden Gedichte im ſelben Jahre aus Seeon. — ² Der „Verein der
pfälziſchen Weinproduzenten“ hatte dem Dichter aus Anerkennung für ſein Lied
zu Ehren des Pfälzerweins (oben, S. 65) 25 Flaſchen edelſten Pfälzers geſchickt.
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