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Nachleſe.
Ins Fremdenbuch des Schloſſes Mainau.
I.
Ob Mai, ob Juli und Auguſt,
Mainau bedeutet Glück und Luſt.
O ſei dir ſtets beſchieden,
Solang' dein Giebel ſteht,
Der Hauch von Gottes Frieden,
Der heute dich umweht.
II.
Hätt' heut vor ſechshundert Fahren
Ein ſangverſtändiger Mann,
Was ich, auf der Mainau erfahren,
Er ſtimmte ein Danklied an.
Und hätt' er verſtanden zu ſchreiben,
Was nicht jeder Sänger verſtand,
So ſtände vielleicht in der Chronik
Von nicht gar zierlicher Hand:
Alsam ain himelspiegel
silberwiz unde himelblau
erstralt vor miner kemenate
der Si umbe diu Maienau.
Daz ouge gein Iburingowe ¹
zem hohen münstere streifit
unde gein der Meresburc wizem gevelze“,
druf süezz daz wintrüblin reifit.
Alzit steh prislich in exren
Maienouwe du frohmuetic hus,
aine vielguetige herrin
wandelet in hir unde us.
Manic kumber, not unde smerzzen
sie genadvol getroestit hat ..
swer selber milt von herzen
auch der andern leid verstat.
1 Uberlingen. — 2² Gefüge.
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