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386 Nachleſe.
Ach, unſterblich ſchwebt Erxinnerung
Um Veſuvius Golf und Küſte, 15⁵
Und mir war, als trüge Südwind
Einen Strom Orangenblüte
Mir in die umſchneite Klauſe,
Als ich Pauli Brief nach Karlsruh'
Vor dem Weihnachtschriſtbaum las. 20
Antwort auf eine Anfrage über„die ethiſche Auffaſſung
der Ehe bei den Pfahlbauern“.
Mit Ocker rot ſich ſchminken
Sah man des Pfahlbauern Weib —
Ihn mit dem Zaunpfahl winken
Und bläuen ihren Leib.
Der Gräfin Euphemia von Balleſtrem'.
Euphemia — der Name geht
Ins Griechiſche zurück:
Ich ſpreche gut, erzähle gut',
Meine Worte künden Glück.
Kein Wunder, daß ſich wiederum 6
Des Namens Kunſt bewährt;
Wie iſt „Raoul, der Page?““, friſch
Mit Singemund und Schwert.
In hohen Freuden biet' ich ihm
Ein ehrendes Quartier... 10
Dies Büchlein fliegt als Gegengruß,
Euphemia, zu dir!
1 Scheffel ſchrieb der Genannten, die in Karlsruhe lebte, die Verſe 1880
als Widmung in ſeine „Waldeinſamkeit“. — ² Griechiſch: „en femi“. — ⁸ Balle-
ſtrem, E., „Raoul, der Page. Ein Sang aus alten Tagen“ (Erfurt 1881).
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