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8. Spruche. 399
Als Pilger gehn wir durch die Welt
Und bald iſt uns ein Ziel geſtellt.
Heil jenen, wo auf Haus und Gut
Entſchwundner Liebe Segen ruht.
Wein-Spruch.
(Dem Nürnberger Maler C. Höſch! zu einem chromophotogra⸗
phiſchen Bild.)
Komm gut Geſell, Freund Rebengold,
Du blinkſt ſo hell, du winkſt ſo hold,
Du ſollt mir blumig munden:
Das iſt des edeln Weines Kraft,
4 Daß er nur Reines, Feines ſchafft.
Friſch ſtrömt das Blut, hoch fliegt der Mut,
Stark wird der Arm, das Herz wird warm;
Die ſchmuckſte Maid im Sammetkleid
Tut mir Beſcheid mit Freudigkeit,
10 Wer krank iſt, muß geſunden!
Blumen⸗Sprüche.
Efeu, Myrtillen, Zuniperus.
Ein Waldesſtrauß, an Farben leer,
An Zierblümlein noch ärmer:
Wachholder, Eppich, Heidelbeer“.
.. . Sonderbarer Schwärmer!
Ranunkel und Zyklamen.
Zwei Pflänzlein, verſchieden an Wuchs und Art,
Stehn am Bach im Schatten der Buche:
Man meint, es hab' die Frau Müllerin
Ein Stadtfräulein zu Beſuche.
R
Haarflechten — Usnea florida.
Wer kennt das graue Flechtenwerk,
10 BVielfädig, wirr verkrauſet?
1 Gemeint iſt wohl Hans Hoeſch, geſt. 1902 in München.
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