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Nachleſe.
„Zerſtören — neu dann werden —
Eis — Windſturm — Blütenkeim! ...“
Menſch, ahne hier auf Erden
Des Weltalls Frühlingsreim!
So unſanft mag kein Winter ſchnei'n,
So grob kein Wetter wüten:
Es kommt die Zeit und kommt ein Schein,
Da prangt die Welt in Blüten.
Wo rauh und dicht erſt lag der Schnee,
Steht blau und licht der Märzviol,
Und tat dir Leid nach Liebe weh,
Tut zwiefach Lieb' nach Leide wohl.
Zur Konfirmation.
Sei als Füngling treu und wahr,
Im Leben und Streben wie Silber klar!
Schaff' als Mann, was du geſollt,
Untadelhaft wie reines Gold!
Als ſchönſten Schmuck und Edelſtein
Führ' einſt die Braut ins Haus dir ein!
Wirf alle Sorgen vom Gemüt
Und freue dich der Maienzeit,
Solang' dir Mai und Jugend blüht —
Denn früh genug naht Ernſt und Leid.
Fromm und ſinnig,
Treu und innig,
Lieb und minnig
Möge ſtets dein Leben ſein,
Dann ſtellt von ſelber
Das Glück ſich ein.
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