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8. Sprüche. 403
Gott hilft dem, der ſich helfen will;
Halt' friſch den Mut und üb' die Kraft,
Denn die Welt ſteht niemals ſtill,
Und nur der gewinnt, der ſchafft.
Mög' ſich kräftig, friſch und rein
Deine Kunſt entfalten!
Laß dich nicht in Myſtik ein
Und Erdgeiſt-Traumgeſtalten:
In des Taglichts goldnem Schein
Muß Nebelduft ſich ſpalten,
Heller als hellſter Sonnenſchein
Flammt Gottes Weltenwalten!
Wern freut nicht in des Lebens Morgen
Der Märchen heitres Zauberland?
Denn Weisheit liegt in ihm verborgen
Wie lautres Gold im Rheinesſand.
Wohl dem, der auch in ſpäten Fahren
Den offnen Sinn dafür erhält;
Ein kindlich Herz wird ihn bewahren
Vor vielem Schein und Tand der Welt.
Ernſthaft ſtreben,
Heiter leben,
Vieles ſchauen,
Wenigen trauen —
Deutſch im Herzen,
Tapfer und ſtill,
Dann mag kommen,
Was da will.
Stoßt an! Ein Hoch dem Deutſchen Reich!
An Kühnheit reich, dem Adler gleich,
Mög's täglich neu ſich ſtärken...
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