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404 Nachleſe.
Doch Gott behüt's vor Klaſſenhaß
Und Raſſenhaß und Maſſenhaß
Und derlei Teufelswerken!
Den Klaſſenhaß,
Den Raſſenhaß
Und Maſſenhaß
Dem Teufel laß!
Frieden im Gemüte L
Das Leben ſonnig erhellt:
Wahre Herzensgüte
Überwindet die Welt.
Wer ſchlägt den Löwen? wer ſchlägt den Rieſen?
Wer überwindet jenen und dieſen?
Nur jener, der ſich ſelbſt bezwingt'.
Solang' es Tag iſt, müßt ihr raſtlos wirken,
Es kommt die Nacht, da niemand wirken kann'.
Durch Arbeit nur und ſtrenge Pflichterfüllung
Gewinnt die Freiheit ſich der rechte Mann.
Das Fahr wird alt, das Fahr wird neu,
Doch Gott bleibt ewig neu wie alt;
In Liebe neu und alt in Treu':
Laßt uns auch leben dergeſtalt.
Was du auch ſchaffſt, ſchaff's rein und fein,
Dann wird's zu Gottes Ehre ſein.
Vertrau' auf ihn und fürcht' dich nicht,
Dein Leben ſei ihm ein Lobgedicht!
1 Uberſetzung der Verſe Walthers von der Vogelweide: „Wer sleht den
lewen? Wer sleht den risen? Wer überwindet jenen und disen? Daz tuot
jener, der sich selber twinget.“ — ² Nach Johannes 9, 4. Auch von Goethe
umſchrieben in dem bekannten Spruche aus dem „Weſtöſtlichen Diwan“.
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