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8. Sprüche. . 405
An Gottes Segen
Iſt alles gelegen;
Er kommt dir entgegen,
Du mußt ihn nur pflegen
Und darfſt ihm nur ſelber
Den Weg nicht verlegen!
Wer da ſteuert irdiſche Bahnen,
Lernt der Zeit Vergänglichkeit,
Doch als Kompaß weiſt ein Ahnen
Uns nach ferner Ewigkeit!
Wir ſind nur irdiſche Menſchen —
Das Auge reicht nicht weit,
Doch ahnt das Herz des Kosmos
Allmächtige Herrlichkeit,
Und ein dem Guten, Wahren
Und Schönen geneigter Sinn
Weiß viel zu offenbaren,
Das uns zu Gott führt hin.
Wer Gott und Welt will recht verſtehn,
Durchſtreift Gebirg' und Tal,
Im freien Hochland zu erſpähn
Den erſten Frührotſtrahl.
Ihm offenbart des AÄthers Kuß
Mehr als ein ſchwarzes Buch —
Und „ambulando discimus“
Iſt auch ein weiſer Spruch.
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