http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0482
Scheffels Leben und Werke, S. 5 —7 *. Gaudeamus! S. 11—13. 409
gabe hergestellt werden muſite, mit ihrer Erschwerung allen Reisens,
der teilweisen Einstellung der Bücherversendung von auswärtigen
Bibliotheken, ja zeitweisen Schließung selbst der Büchereien am
Ort hat mich aus der weitzerstreuten Kleinliteratur über Scheffel,
namentlich soweit sie in Tageszeitungen steckt, manches nicht nach
Wunsch benutzen lassen. Ich hoffe, daß mir wenigstens die Fest-
stellung wichtigerer Tatsachen nicht entgangen ist.
Gaudeamus! (S. 1— 134).
S. 11. Die „Widmung“, von der Unterschrift in den Mai gesetzt,
entstand schon in der Osterwoche 1867 im blütenweißen Neckartal;
am 27. April sandte Scheffel das Gedicht an Werner: vgl. Briefe von
Scheffel an A. v. Werner, S. 42, auch Briefe an Schweizer Freunde,
S. 159.
S. 13. Naturwiſſenſchaftlich. Es ist schon in der Einleitung
darauf hingewiesen, daß die geologischen Lieder des „Gaudeamus“
Franz von Kobells Dichtung „Die Urzeit der Erde“ (München 1856)
Anregung verdanken. Die Abhängigkeit wird auch im einzelnen mehr-
fach deutlich. Kobells 2. Gesang schildert, wie „Granite, Porphyre
und Basaltnes Gestein“ aufsteigen; zu Kobells Versen (S. 28) „Und
ernst von ihren Höhen Basalte niederschauen“ vergleiche man Schef-
fels „Granit“ (V. 35, S. 14):
Bis daß er von ſonnigen Höhen
Zu Füßen ſich ſchaute die Welt.
Zur I. Strophe des „Ichthyosaurus“ (S. 14) halte man bei Kobell
S. 8 und S. 22 das Leuchten des Meeres. Die Erwähnung der Equi-
seten, die Schilderung vom Erscheinen des Ichthyosaurus, S. 11:
„Da schwankten tief in einer Bucht die Schilfe
Und auf der Binsen Büschel nach dem Meer
Kroch ein entsetzlich Ungeheuer her“
und des Plesiosaurus, S. 12:
„Es schwamm das Schilf zur Seite leise biegend“
und:
„Und rauschend ward das Rohrgestäng' verscho
Dazwischen tritt auch der Pterodaktylus auf:
„Und drauf ein Schwirren zog sich durch die Lüfte,
Und breitgeschwingt ein zischender Vampir
Sich niederließ im Schilfe.“
Zur Schlußstrophe vgl. Kobell, S. 62, von der versunkenen Tierwelt:
„Das Zeugnis ist gewahrt, du findest es
Verschlossen in der Scholle stillem Grabe.“
Die Strophenform des Liedes findet sich bei Kobell, S. 26, angewandt,
wie die Strophenform des „Basalt“ (S. 18 ff.) bei Kobell, S. 36, je-
weils mitsamt der Reimstellung (æzαια.).
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0482