Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 417
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0490
Gaudeamus! S. 49. 417

behandelt wird. Selbst auf die Bühne ist sie, mannigfach romantisch
ausgeputzt, schon vor Scheffel als Oper und Drama gedrungen. Als
Träger der Sage erscheint in der Dichtung nicht wie in der lebendigen
Volkssage, der „Schnellertsherr“, auch einfach der „Landgeist“ ge-
nannt, sondern der Ritter vom Rodenstein. Begreiflich genug ge-
wann die bedeutende Ruine des Rodenstein und die noch lebendige
Erinnerung an ein vor nicht gar langer Zeit ausgestorbenes Geschlecht
in der Phantasie den Sieg über den ganz unbedeutenden, der Ge-
schichte völlig unbekannten Schnellerts und seinen Herrn.
Scheffel hatte bereits im väterlichen Hause Gelegenheit, mit der
Sage bekannt zu werden. Schon in der Mutter „Reimbuch“ fand
sich ein Gedicht vom Rodensteiner. Die Gestalt des Ritters mußte
der Zeit noch bekannter und anziehender werden, als man diesem
Geist, der vor jedem Kriege sich meldete, allmählich eine völkische
Rolle übertrug, nicht unähnlich der des Kaisers Friedrich, der im
Kyffhäuser schläft und einst erwachen wird, um die Herrlichkeit des
Reiches herzustellen.

„Aus Todesschlaf und aus Grabesnacht .
Für Deutschland zieh' ich noch aus zur Schlacht“

hatte Albert ILudwig Grimm, der bekannte Sagen- und Märchenbear-
beiter, den Rodensteiner in einer Ballade von 1822 erklären lassen;

„Ich reite und streite dir immerfort:
Dein Herold zu Krieg und zu Frieden“

gelobt er dem Vaterlande in einer ähnlich gerichteten Dichtung Wolf-
gang Müllers von Königswinter. In gleichem Sinne nahm Josephine
Scheffel die Sage auf in einem Gedichte, das, nach Inhalt und Form
sichtlich nicht unabhängig von A. L. Grimm, sein Vorbild übertrifft
und die beste Rodensteindichtung vor Scheffel heißen darf: Es mag
zugleich als Probe ihres dichterischen Könnens hier eingerückt sein:

„Horch auf! Was klirrt an Riegel und Gruft?
Was zischt und sauset durch die Luft?
Das muß der wilde Jäger sein,
Er ziehet vom Schnellert zum Rodenstein,
Hussa! zum Rodenstein.

„Im Schnellert, da schlief er manch ein Jahr,
Reibt sich nun wieder die Augen klar,
Die Friedenburg steht öd und leer,
Der Jäger zieht mit dem Geisterheer,
Zieht mit dem Geisterheer.

„Er reitet voran auf schwarzem Roß,
Hallo! wie saust ihm nach der Troß,
Es rauscht und spricht — es pfeift und knallt,
Daß drob ertönt der Odenwald,
Der weite Odenwald.

Scheffel. 1. 27


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke1/0490