Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-1
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (1)
[1919]
Seite: 419
(PDF, 92 MB)
Bibliographische Information
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Gaudeamus! S. 49. 4¹9⁹

wurden. Sie zeigen sich einmal auch als „fröhliche Herrn“ um eine
wohlbesetzte Tafel, „sie aßen und tranken und verführten einen
großen Lärm mit Schreien, Reden und Singen“ nicht unähnlich dem
bei Sang und Klang zechenden Rodenstein Scheffels. Bei Wolf und
Zehfuß wird erzählt, wie das wilde Heer nächtlicherweile in Küchen
Scheffels Rodensteiner im Pfarrkeller. Die Urkunden, wie sie Zeh-
fuß von den Rodensteinern zusammenstellt, zeigen im wesentlichen
eine lange Reihe von Verkäufen und Verpfändungen der Güter des
Geschlechtes; Scheffel konnte bei Zehfuß auch die übrigens unrich-
tige Angabe lesen, daß sie Pfaffenbeerfurt nach Heidelberg zum Stift
vom Heiligen Geist geschenkt. Damit waren die wesentlichen Be-
standteile gegeben, aus denen eine in fröhlicher Zecherlaune aus-
schweifende Einbildungskraft die Lieder vom Rodenstein hervor-
treiben konnte.
Das „Wilde Heer“ war in Heidelberg, seit es in den „Fliegenden
Blättern“ von 1859 erschienen war, bald „heimisch und sangbar“ ge-
worden. Das Lied von der Drei Dörfer-Vertrinkung folgte ihm nach.
Ich meine, so schrieb Scheffel am 29. September 1857 an Eduard Ille,
den Illustrator seiner Lieder, man könnte den Rodenſtein, ſo wie er
das wilde Heer anführt, zu einer typiſchen Geſtalt machen, auf die —
poetiſch wie maleriſch — noch vieles aus großer Vergangenheit des
Trinkens abgeladen werden könnte. Scheffel bleibt, wie er Ille noch
im November mitteilt, fortdauernd bemüht, dem früheren Lebens—-
wandel des Rodensteiners, eh' er Chef des wilden Heeres wurde, auf
die Spur zu kommen. Der „Engere“, wie er die weiter entstehenden
Rogdensteinlieder zuerst mit dankbarer Fröhlichkeit aufnahm, hatte
ihnen auch reichlich Stoff geliefert. Der Pfarrherr von Tiefschluck-
hausen, der vorzieht, als Hofkaplan im wilden Heere mitzufahren,
als er sich leer getrunken sieht, ist der große Sänger und Mimiker
des Kreises, der Pfarrer Schmezer; Rodensteins Knapp, den sein Herr
aus dem trübseligen Bremeneck zurückholt, der Privatdozent Iud-
wig Knapp, der zeitweise vom Engeren weg einem Philisterkreise
im Bremeneck (einer noch heute bestehenden Kneipe in Heidelberg)
sich zugewandt hatte. Hinter dem Stabstrompeter Hans Bräuning,
den das wilde Heer aus dem Schwarzen Lamm in Darmstadt auf-
ruft, birgt sich nach J. Proelß (vgl. auch Lorentzen a. a. O., S. 53)
Heinz Schleuning, Kassierer der Main-Neckarbahn, und in Schmezers
Vertretung Vorsänger und Taktschläger auf dem Ofenschirm im
„Engeren“, dem einmal Versetzung aus solcher Herrlichkeit der
weinfrohen Musenstadt ins trübselige Darmstadt gedroht. Das kann
aber höchstens für den Namen Hans Bräuning gelten. Ursprünglich
hatte der Dichter, wie ich der Urhandschrift des Liedes entnehme,
unter dem „Stabstrompeter“ sich selber dargestellt und die Hand-
lung spielte in Donaueschingen (vgl. unten „Zur Gestaltung des
Textes“, S. 437). Von Donaueschingen aus sandte der Dichter auch
im Jahre 1858 dem „Engeren“ in wehmütiger Erinnerung an die
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