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Gaudeamus! S. 101— 125. Bergpsalmen. Waldeinsamkeit, V. 28— 198. 423
weises. Scheffel wird, denke ich, die „Sammlung von Schweizer
Kühreihen und Volksliedern“ benutzt haben, über deren Ent-
stehungsgeschichte und Überlieferung P. Geiger, „Volksliedinteresse
und Volksliedforschung in der Schweiz“, Bern 1912, ausführlich
unterrichtet. In der von R. Wyß besorgten 3. Auflage von 1818, die
ich benutze, beginnt gleich der,„Kühreihen der Oberhasler“ S. 1 so:
„Har Kuhli, ho lobe! hie unte, hoch obe!
Tryb use, tryb yne! Den Reihen anstimme,
Bring z'erst die Dreichelkuh!
Die Brämi und. Gyger, die Rämi und Styger,
Die Melche, die Galte, die Junge, die Alte,
Tryb o fry wacker zu!
Die Große, die Chleine, die Glyche, die G'meine
Must yne thu!“
Aber auch der ganze sechste Gesang steht offenbar unter dem Ein-
fluß dieses Kuhreigens, dessen Schlußstrophen die Talfahrt des Sen-
nen schildern, vgl. z. B. die Strophe S. 6:
„Har Kuhli zur Hütte! Hest ordli scho glitte,
's ist Eis in dem Bächli, und Schnee uf dem Dächli,
*S g'friert alles Stei u Bei.
Z'Hand will ig uskäse, gang Bub nimm der Bäse,
Wüsch d'Hütte! Lieg nieder! Schlaf us u chumm wieder,
Am Morge-n-um Zwey!
Der Bode-n-ist g'frore, drum wey mer grad more
Vom Berg u hei.“
Vgl. auch zur Salzbettlerin, die aus dem Gaden kommt, ebenda
S. 4: „Jitz sys i im Gade, d's Salz lyt uf em Lade.“ Auch der von
G. J. Kuhn gedichtete „Kühreihen zur Abfahrt von der Alp im
Herbste“ (ebenda S. 85 ff.) hat besonders mit seinen drei letzten
Strophen auf Scheffels „Heimkehr“ Eingewirkt.
Waldeinſamkeit (S. 171—194).
V. 28. In dem Namen des Forsthauses Schratimberg lebt offen-
bar eine Erinnerung an den Aufenthalt in Toblino fort. Im Archive
von Madruzz hatte Scheffel ein Protokollbuch des Schloßhaupt-
manns Scratimperger gefunden. Vgl. das „Gedenkbuchküber statt-
gehabte Einlagerupg auf Kastell Toblino“, Bd. 4 dieser Ausgabe,
S. 456.
V. 33. Adalbert Stifters „Studien“ empfahl Scheffel schon im
Mai 1845 dringend seinem Freunde Eggers als mit einem wahrhaft
herrlichen kindlich poetiſchen Sinne geſchrieben, voller Gemüts und
tiefinniger Naturanſchauung.
V. 198. In den Versen spukt sichtlich eine Erinnerung an Hebels
Gedicht „An den Geheimerat von Ittener“ („Werke“, Bd. 2, S. 3,
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