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Einleitung des Herausgebers.
Im Sommer 1863 trat „Frau Aventiure“ in die Hffent-
lichkeit. Der Vorläufer nur eines größeren Werkes ſollte ſie ſein:
„langſamen und ernſten Studien mit Fiedelklang vorauseilend“,
wie die Vorrede ſagte. Mit den Anfängen eines großzügig an—
gelegten Wartburgromanes und für ihn waren dieſe Lieder
entſtanden, die von der Wartburg ihren Ausgang nehmen, zur
Wartburg und ihrem Herrn mit dem Schlußgedichte zurückkehren.
Das Schickſal aber wollte dem Dichter nicht gönnen, zu vollenden,
was er in langen Fahren unter vielfältigen Hemmungen und
Schmerzen geplant und gefördert.
Wie keine andere der zahlloſen ſtattlichen Burgen unſeres Vater-
landes kann die Wartburg ſich ſtolzeſter Überlieferung rühmen;
wie keine iſt ſie mit den größten Bewegungen im Geiſtesleben
unſeres Volkes verknüpft. Von drei- zu dreihundert Jahren ward
ſie ihnen bedeutſamer Schauplatz. An des Landgrafen Hermann
Hofe begegneten um 1200 ſich die erſten Träger einer herrlich
erblühten deutſchen Dichtung. In ihrer ſchirmenden Heimlichkeit
ſchuf der Junker Jörg 1521—22 das wirkſamſte Buch, das je in
deutſcher Sprache ausgegangen. Ihre Höfe und Säle ſahen 1817
begeiſterte deutſche Fugend die neue, auf den Schlachtfeldern der
Befreiungskriege gewonnene vaterländiſch ſtaatsbürgerliche Ge—
ſinnung zum erſten Male öffentlich und feſtlich bekunden. Die
Burg erhielt bald darauf in Großherzog Karl Alexander einen
Herrn, der mit unermüdlichem Eifer bedacht war, ihren Glanz zu
erneuen, ihre edlen Erinnerungen gegenwärtigen und kommen—
den Geſchlechtern zu erhalten und ſichtbar vor Augen zu ſtellen.
Verſtändnisvoll unterſtützt von ſeinem trefflichen Burgkomman—
danten Vernhard von Arnswald, fand er bald die geeigneten
Männer für ſeine Pläne. Hugo von Ritgen, ſeit 1846 im Dienſte
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