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12 Hrau Aenkure.
unglücklich zugleich durchaus in die Umwelt ſeiner künſtleriſchen
Träume. Hatte Scheffel das Studium der Minneſinger erſt in
der Hoffnung begonnen, daß ihm „eines Tages etwas Wart⸗
durgmäßiges einfallen“ werde, ſo entſtanden nun noch im Früh⸗
ling die Anfangskapitel des neuen Romans, als deſſen Titel uns
„Viola“ genannt wird, der Name einer Frauengeſtalt: derſelben
offenbar, die im Gedichte., Tristicia amorosa“ als Viola byzantina
erſcheint. Am 16. Funi ſchickt Scheffel das erſte Kapitel dem
Kommandanten der Wartburg zur Anſicht ein, nach 14 Tagen
ſchon folgt das zweite. „Die nächſten Kapitel ſollen“, ſo hieß es
bei der erſten Sendung, „das ganze frohe ritterliche Wartburg—
leben aufrollen.“
Aber nur zu bald kommen Zweifel und Störungen. Stehen
dem Dichter Wolfram, Klingſor und manche Nebengeſtalten ſchon
durchſichtig vor Augen, ſo reicht ſeine Einbildungskraft nicht aus,
um Heinrich von Ofterdingen zu beleben, „von dem gar nichts
Schriftliches, mit Namen Beglaubigtes der Nachwelt vorliegt“.
Zugleich bedrängen ihn aber auch neue Geſtalten und Verhält-
niſſe. Studien aus der Geſchichte des Landes, in dem er lebte,
des ihm ſo herzlich nahen alemanniſchen Landes, in freier Luft:
auf den umliegenden Burgen betrieben wie in Archiv und Keller
der gaſtfeeien Benediktinermönche des Kloſters Rheinau und hier
wie dort mit lebendiger Anſchauung und ſtärkſtem Stinunungs⸗—
gehalte erfüllt, feſſeln allzuſehr ſeine Teilnahme. Sein tägliches
Brevier, die „Carmina Burana“, eine im 15. Jahrhundert im
Kloſter Benediktbeuren geſchriebene Sammlung von Vaganten⸗—
liedern, begeiſtern ihn zu lateiniſchen Gedichten. Auf dem Neuen-
höwen, am Rheinfall und in Rheinau entſtehen die „Lacticia
silvestris“ und,„Tristicia amorosa“, wie der „Juniperus“, dem das
erſtgenannte Gedicht eingefügt wurde. Die Zuniperusgeſchichte
ſelbſt war als eine Einlage in den Wartburgroman gedacht. Denn
da Scheffel ſtudierte, was an geſchichtlicher und dichteriſcher Über-
lieferung an die Landgrafen des 12. und 13. Fahrhunderts ſich
knüpft, mußte er auch auf die poetiſche Erzählung von der Kreuz—
fahrt Ludwigs des Frommen ſtoßen, die ein ſchleſiſcher Dichter im
Anfange des 14. Jahrhunderts nach alter Vorlage verfaßt hat; ſie
überzeugte ihn, daß eine Schilderung des ſtaufiſchen Zeitalters
unvollkommen bleiben nuißte, wenn nicht die Kreuzzüge hinein-
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