Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 13
(PDF, 96 MB)
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Einleitung des Herausgebers. 13

ſpielten. Er entſchließt ſich alſo, den ſchon ausgearbeiteten An⸗
fang zu verwerfen; der Roman ſoll nun mit einer Schilderung
der Belagerung von Akkon ii Fahre 1189 beginnen. An ihr hat
jener Landgraf Ludwig den bedeutſamſten Anteil genommen.
Als Erzählung eines deutſchen Kreuzfahrers vor Akkon iſt nachher
ja auch „Juniperus“ veröffentlicht worden.
Die Einladung des Großherzogs zur Zubelfeier der Univerſität
Jena führte den Dichter im Auguſt 1859 abermals nach Thüringen.
Wieder ward der alten Begräbnisſtätte der Landgrafen in Rein—
hardsbrunn ein Beſuch abgeſtattet. Die Ausarbeitung des Ro—
mans aber ſchritt anſcheinend nicht weſentlich mehr vorwärts.
Za Scheffel ſchwankte wieder, ob er nicht alles ſchon Geſtaltete
in eine neue Form zu gießen habe, die „ſowohl die Lokalfarbe
als die poetiſche Illuſion bedeutend vermehrte“; er dachte daran,
das Ganze in Form einer Chronik darzuſtellen, in der ein Mönch
von Reinhardsbrunn die Geſchehniſſe als perſönliches Miterlebnis
erzählte. Dem Dichter ſchwebte dabei gewiß der Mönch Ber⸗
toldus von Reinhardsbrunn vor, deſſen „Vita Ludovici“, ſpäter-
hin den „Annales Reinhardsbrunnenses“ einverleibt, auch die
Geſchichte des Wartburgkriegs erzählt.
Inzwiſchen war ihm aber auch ſtofflich ein neues Motiv auf⸗
gegangen. „In der Verzweiflung mit Heinrich von Ofterdingen
etwas Wirkſames anzufangen“, hatten weitere Studien ihn auf
den Gedanken gebracht, den Dichter, nachdem er im erſten Sänger⸗
ſtreit unterlegen, in Paſſau jenes alte Nibelungenlied auffinden
zu laſſen, das nach den Angaben der „Klage“ Konrad, der Schrei⸗
ber des Biſchofs Pilgrim von Paſſau, einer geſchichtlichen Geſtalt
des 10. Fahrhunderts, im Auftrage ſeines Herrn aufgeſchrieben
haben ſoll. Dieſe Abſichten hatten ihre Richtung ſichtlich aus den
Vermutungen empfangen, die Adolf Holtzmann, Profeſſor in
Heidelberg und Scheffel perſönlich befreundet, wenige Hahre vor⸗
her in ſeinen „Unterſuchungen über das Nibelungenlied“ vorge—
tragen hatte. Hier war unternommen, die von Lachmann als
Fabelei verworfenen Angaben der „Klage“ geſchichtlich zu recht-
fertigen. Holtzmann ſchien es ausgemacht, daß jener Konrad eine
geſchichtliche Figur geweſen ſei, die wirklich in Pilgrims Auftrag
zwiſchen 970 und 984 eine Dichtung verfaßt hätte, die den Stoff
des Nibelungenliedes und der „Klage“ in ſich faßte, überdies aber


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