Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 14
(PDF, 96 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0014
14 Frau Abventlure.

auch die Geſchichte der Ungarn und ihrer Niederlage auf dem
Lechfelde erzählte. Dieſer Konrad habe ſicher an der Donau, in
Poſſau oder weiter abwärts, gelebt und geſchrieben, kannte aber
auch die Gegend von Worms; vielleicht ftammte er aus Alzey
wie ſein Spielmann Volker, in dem er augenſcheinlich ſich ſelbſt
zeichnet.
Scheffel hatte dieſe Aufſtellungen Holtzmanns ſchon für den
Schluß des „Ekkehard“ benutzt. Fetzt wird Konrads Werk zum
Mittelpunkte des neuen Romans. Zum Verfaſſer des jüngeren,
uns überlieferten Nibelungenliedes aber, das Konrads Werk der
lateiniſchen Hülle entkleidete, machte Scheffel ſeinen HGeinrich
von Ofterdingen. Auch damit nahm er nur eine ältere wiſſen-
ſchaftliche Hypotheſe wieder auf, die, zuerſt von den Brüdern
Schlegel aufgeſtellt, einem berühmten Dichter ohne Werk und
einem berühmten Werk ohne Dichter wechſelweiſe das Fehlende
zu geben fſuchte. A. v. Spaun hatte dieſe Auffaſſung in einer
beſonderen Schrift vom Jahre 1840 ausführlich zu begründen
verfucht. Schoffel eignete aus ihr ſich die näheren Lebensum⸗
ſtände des Ofterdingers an, vor allen feine Abſtanunung aus der
Gegend von Steyer. Heinrich ſollte in Paſſau nicht bloß das alte
Lied, ſondern auch Aufzeichnungen über die Lebensverhältniſſe
Konrads finden. Im Sängerſtreite auf der Wartburg aber dachte
ihm Scheffel dadurch eine beſondere, ſeinen Gegenſatz zu den
übrigen Dichtern tiefer begründende Rolle zuzuweiſen, daß der
Oſterreicher Heinrich von Ofterdingen, den eine alte Überlieferung
als Verfaſſer der Dichtung von König Laurin nennt, deutſche Art
und Mär verteidigen ſollte gegen die „Verehrer formalen franzö⸗
ſiſchen Weſens und der unerquicklichen welſchen Artusromane“: auch
dies kein eigener Einfall, ſondern die Verwertung einer gelehrten
Meinung, wie ſie F. H. von der Hagen 1858 in ſeinen „Ninne—
ſingern“ vertreten hatte.
Für Scheffels Art zu arbeiten, war mit dem neuen Plane,
„um die Phantaſie auf den rechten Boden zu ſtellen“, unerläß—
lich die Notwendigkeit gegeben, Paſſau und die ganze Nibelungen-
ſtraße die Donau entlang ſelbſt abzuwandern. Er gab denn zu
Oſtern 1859 ſeine Stellung in Donaueſchingen auf, um ſich fortan
Länzlich der Berfolgung ſeiner künſtleriſchen Pläne widmen zu
können. In Karlsruhe wurden die Eingangskapitel, die nun vor

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