Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 15
(PDF, 96 MB)
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Einleltung des Herausgebers. 15

Akkon ſpielten, und „Funiperus“ völlig fertiggeſtellt, dann ging
es Ende Mai auf die Reiſe. Der Hohenſtaufen ward beſucht und
die Begräbnisſtätte der Witwe Philipps von Schwaben in Lorch
(vgl. „Irene Imperatrix“ in „Frau Aventiure“). Dann ging's
nach Paſſau und die Donauſtraße entlang. Anfang Zuli aber iſt
der Dichter wieder in Thüringen, um „noch einige Lokaleindrücke
der Reinhardsbrunner Umgebung zu gewinnen“, und er weilt
und wandert da längere Zeit „aufs angenehmſte mitten inmeinen
Traumgeſtalten“. Dann ſchlägt er ſich über Koburg ins Fränkiſche,
nimmt in Banz Aufenthalt und durchſtreift die heiteren Main—
lande gegen Bamberg und Würzburg und ſüdwärts die Fränkiſche
Schweiz, und eine Fülle von Liedern entſtrömt dieſem beglückenden
Wandern und Träumen. Was in „Frau Aventiure“ Biterolf und
dem fröhlichen Vogt von Tenneberg, was dem Mönch von Banth
und den Bamberger Domchorknaben in den Mund gelegt iſt,
iſt damals entſtanden. Der September führte ihn zu mehrwöchent⸗-
lichem Aufenthalt und nahem Verkehr mit dem großherzoglichen
Paare auf die Wartburg. „Wartburgdämmerung“ und „Wart⸗-
burgabſchied“ bezeichnen Anfang und Ende dieſer angeregten Zeit.
„Farbenreiche Bilder aus Burghof, Säulenhallen, Sälen und Keme-
naten“ haben ſich ihm wohltuend eingeprägt, und er hofft nun
den Winter im väterlichen Hauſe in ſtiller Arbeit ein gutes Stück
vorwärts zu kommen. „Ein Ende ſehe ich aber zur Zeit noch
nirgends: die Geſtalten lauern ungebannt in allen Winkeln.“
Das neue Fahr bringt ihm durch die vergebliche Werbung um
Julie Artaria ſchwere Verſtörung. Wieder flüchtet er aus der
enttäuſchenden Welt an die Hrtlichkeiten ſeiner Träume. Ein
einſamer Vorfrühling auf Frauenwörth im Chiemſee ſtellt die
Stimmung wieder her; eine Reihe jener Geſänge, die „Frau
Aventiure“ den „Fahrenden Leuten“ und „Heinrich von Ofter-
dingen“ in den Mund legt, ſind damals entſtanden. Eine Wan—
derung durchs Salzkammergut mit Freund Eiſenhart ſchließt ſich
an; die Geſtalt des Biſchofs Wolfgang von Regensburg, auf die
ſeine Pilgrimſtudien ihn geführt, hielten den Dichter am Wolfgang⸗
ſee feſt und begeiſterten ihn zu den „Bergpſalmen“, die zunächſt
auch als Epiſode innerhalb des großen Romans gedacht werden.
Er kann nach der Heimkehr ſeinem künſtleriſchen Auftraggeber, als
den er den Großherzog betrachtet, am 15. Fanuar melden, daß der


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