Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 16
(PDF, 96 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0016
16 Frau Aventiure.

Rohſtoff nin gewonnen ſei und die künſtleriſche Verarbeitung
beginnen könne. Aber immer noch will kein feſter Plan ſich
geſtalten, „proteusartig ändern ſich Entwürfe und Geſtaltungen
unter der ſchaffenden Hand, und ich weiß nicht Tag noch Stunde,
wo etwas herausgeſchafft ſein wird“.
Was ihn am ſtärkſten hinderte, war wohl, daß die neuen Stu—
dien und Eindrücke im bayriſch-öſterreichiſchen Voralpenlande den
alten Rahmen zerſprengten. Die Geſchichte des Meiſter Kon—
radus iſt ihm in der Phantaſie aufgeſchoſſen „wie die alte Ulme
im Kloſtergarten zu Hirſau: ſie iſt zum Dach hinausgewachſen
und überragt mit üppig wogender Wipfelkrone ihre ſteinerne Um—
ſaſſung“. Er muß ſich entſchließen, ſie aus dem „Viola“-Roman,
in dem ſie als Einlage ſtehen ſollte, herauszunehmen und als
ſelbſtändiges Ganze zu geſtalten. Fortſchreitende geſchichtliche
Unterſuchungen haben ihm einen Faden gezeigt, um die Donau⸗
länder, wo das alte Nibelungenlied entſtand, mit der Burgunder⸗
reſidenz Worms zu verbinden, indem er das Vorbild der Gote—
lind von Bechelaren in der Markgräfin Richenza findet, Tochter
des Grafen im Wormofeldgau Konrad, der auf dem Lechfelde
fiel. So findet auch die Einbeziehung dieſer Schlacht erwünſchte
perſönliche Begründung. Zin Oktober 1860 erhält der Großherzog
Meldung, daß die Erzählung bis zum Jahre 977 geführt ſei.
Aber ſchwerer und ſchwerer wird es dem Hichter, „den wider-
ſpenſtigen Muſen ſchaffend etwas abzuringen“. Eine Reiſe in die

Schweiz im Spätherbſt mit längerem Aufenthalt in Selisberg bringt:

wohl den „Vergpſalmen“ noch Förderung, aber immer drückender
wird ihm das Gefühl, daß er die Erfüllung ſeines dem Großherzog
gegebenen Verſprechens hinauszögere. Und als ein Mißverſtänd-
nis ihn glauben ließ, der Fürſt habe ihn bereits aufgegeben, bricht
im Ropember 1860 jene Kataſtrophe über ihn herein, von deren
Folgen er in einer Heilanſtalt am Hallwyler See in langdauern-
dem Ausruhen und ſtrengem Fernhalten von ernſtlicher Arbeit
Erholung ſuchen muß. In ſchmerzlichem Verzicht ſchreibt er dem
Freunde Auguſt von Eiſenhart am 2. Weihnachtstage: „Für
mein drei Viertel vollendetes Paſſau, öſterreichiſch-nibelungiſches
Werk dürfte es ſchade ſein, denn der Inhalt war oöriginell.“
Freilich klanunert er ſich noch ängſtlich an den Gedanken, daß
die Verwicklung ſeiner Geſtalten und ſeines Stoffes doch keine


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