Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 17
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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Einleltung des Herausgebers. 17

unlösbare ſei. Ihm bleibt die Zuverſicht, daß er „doch dereinſt
noch als Sieger auf der Wartburg einkehren werde“. Aber im Mai
muß er geſtehen, daß er ſeit November nicht imſtande war, auch
nur einen Strich an ſeinen Arbeiten zu tun, und er erkennt richtig
eine Hauptquelle ſeiner Hemmungen, wenn er „die hiſtoriſchen
Studien aus grauer Vergangenheit“ verflucht, da ſie „die Energie
der eigenen Produktion lahmlegen und ſchier ängſtlich machen“.
Wollte die Proſa des Romans nicht fortſchreiten, ſo war dem
Dichter die lyriſche Muſe doch immer noch willig; eine Reihe von
Liedern war noch im Winter 1861 am Hallwyler See entſtanden,
einer zarten Neigung verhüllten Ausdruck leihend.
Es war dem Dichter deutlich geworden, daß dieſe Fülle nicht
mehr in den Roman ſelbſt aufgenommen werden konnte, den er,
„da von Minneſängern die Rede, dunt mit Liedern auszuſtaffieren“
gedacht hatte. Schon Ende des Zahres 1862 entwickelt er Arns⸗
wald den Plan, „ein eignes Liederbuch zu einem ſtattlichen Band“
zuſammenzuſtellen; Ritter, fahrende Schüler, Mönche ſollen darin
erſcheinen, jeder eine beſondere Seite der mittelalterlichen Kultur
darſtellend. Abſchluß und Veröffentlichung der Sammlung wer⸗-
den dann ganz weſentlich beſchleunigt durch jene Zeitungsmittei⸗
lung über ſeine angebliche Geiſteserkrankung, die ihn aufs höchſte
erregte. Ihn verlangte, der Welt ſofort zu beweiſen, daß ſeine

geiſtigen Kräfte ungebrochen ſeien, und ſchon Anfang Februar hat er

mit Bonz über den Verlag verhandelt. Ungern nur ſchloß er jetzt
ſchon ab, überzeugt, daß die Muſe ihm weiterhin noch manches
Gute beſchert hätte, „wenn die Welt mit katſchſüchtiger Unge—
duld mich nicht bis in mein Neſt hinein verfolgt und mit einem
Pfeilſchuß aus der Verträumtheit aufgerüttelt hätte, ſo würde ich
gerne noch Jahr und Tag zugewartet haben, bis mir Waldluft
und fortgeſetztes Studium zwiefach und dreifach ſoviel beſchert
hätten, als ich jetzt zuſammenſtellen konnte“. Er empfand das
Buch durchaus als Bruchſtück und behielt ſich für eine etwaige
2. Auflage vor, noch eine Reihe ähnlicher Vorwürfe lyriſch zu
bearbeiten. Es blieb jedoch bei der Abſicht. Einige der ins Auge
gefaßten Gedichte wurden wohl noch fertig und ſind unter den
Gedichten des Nachlaſſes gedruckt; „Frau Aventiure“ aber blieb
bis auf winzige Zutaten durch alle Auflagen hindurch, wie ſie
im Funi 1863 erſchien. .
edeſlel. II. 2


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