Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 18
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Freiburg und der Oberrhein

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0018


18 Frau. Aventlure.

Der Roman blieb liegen, wie er war, und es erhellt aus den
Briefen nicht, daß er nach 1865 noch ernſtlich gefördert wäre.
Wie viel wir darnit verloren, zeigt eine Probe, die von W. Kremſer
in der Weihnachtsbeilage 1916 der „Täglichen Rundſchau“ ver—
öffentlicht wurde. Sie gibt aus den 15 Kapiteln des Konradus-
romans, die im Nachlaß ſich gefunden haben, die ſchwer hinſchrei⸗
tende Schilderung der Schlacht auf dem Lechfelde und Bruchſtücke
aus der Erzählung von ſeiner rheiniſchen Heimat und Jugend,
die der greiſe Konrad „in der Donauferne“ niederſchreibt, von
einer reifen Süße des Stils, die man aus dem „Ekkehard“ nicht
kennt. Das Ganze zu würdigen, wird man weitere Veröffent—
lichung abzuwarten haben, die hoffentlich nicht mehr lange auf
ſich warten läßt. Einſtweilen iſt uns von der langen und müh—
ſamen Arbeit nur das Liederbuch zu voller Schätzung geblieben.
Auf welch ernſthaften Studien die ungezwungenen Geſänge
ruben, iſt aus dem Gefagten ſchon deutlich geworden. Wer das
dichteriſche Vermögen Scheffels abſchätzen möchte, den wird bei
der Betrachtung der reichen Quellennachweiſe, die er ſelbſt gibt,
am meiſten die Beobachtung feſſeln, wie dem Dichter öfter der
kleinſte Spruch zum Ausgang eines ganzen Reigens von Gedan⸗
ken und Vorgängen wird; oft treibt ein dürrer Stab in feiner
Hand Blätter und Blüten. In glaubhaften lebendigen Geſtalten
voll Blut und Saft tritt die Zeit um 1200 — eine der größten in
der künftleriſchen Entwicklung unferes Volkes — lebendig vor
uns hin: das Gedichtbuch wird zum Geſchichtsbuch, das eine ver—
ſunkene Zeit nach ihren anziehendſten Außerungen mit unvergleich⸗—
licher Eindringlichkeit ſchildert.
Eine Erneuerung des Minnefangs nach ſeiner alten Form oder
auch nur nach ſeinem eigentümlichen Gedankeninhalte, wie die
Dichter des Göttinger Hains oder ſpäter Tieck das verſucht hatten,
lag Scheffel fern. Er fühlte richtig, daß dieſe für unſere Zeit ſich
künſtleriſch nicht wieder gewinnen laſſen. Auch ſeine Strophen—
formen ſuchen höchſtens ganz vereinzelt einmal einigen Anſchluß
an mittelalterliche Vorbilder. Dagegen ſcheute er ſich keineswegs
zu tun, was der junge Goethe Bürgers Minnedichtung zum Vor⸗
wurf machte: „neue Gedanken mit alter Sprache zu bebrämen“.
Er iſt in der Ubernahme alten Gutes dabei gelegentlich vielleicht
zu weit gegangen, wenn er unter den fremdwörtlichen Kunſtaus-





W



25⁵


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/scheffel_werke2/0018