Universitätsbibliothek Freiburg i. Br., E 6990,me-2
Scheffel, Joseph Victor von; Panzer, Friedrich [Hrsg.]
Scheffels Werke (2)
[1919]
Seite: 24
(PDF, 96 MB)
Bibliographische Information
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  (z. B.: IV, 145, xii)



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24 Frau Aventiure.

bunten Sonnenſchein überirdiſch gefärbt, noch nachzuzittern, noch
zu wogen ſcheinen unter den längſt verhallten Orgelklängen; er
ſchildert in „Einer Griechin“ die Geliebte mit einer Verehrung
wie der fromme altdeutſche Maler, der ſeine Heilige vor den an⸗
dächtigen Goldgrund ſtellt, — und durch hundert Abſchattungen
führt uns ſeine immer mächtige Kunſt bis zur üppigen Zecher-
luſt und dem Zuhſchrei ausgelaſſener Tanzfreude.
Der Dichter ſelbſt hegte bei der Veröffentlichung des Buches
die Befürchtung, es werde weit weniger einſchlagen als ſeine üb-
rigen Werke, da es den Gelehrten zu modern ſei, für die Unge—
lehrten zuviel vorausſetze. Wohl ward das Werk von einem Mit-
ſtrebenden wie Felix Dahn gleich nach Erſcheinen mit lautem
Hornſtoß von den Zinnen der „Bayriſchen Morgenzeitung“ begrüßt
und verſtändnisvoll gewürdigt. Aber ſeine Auflagen waren weit
ſparſamer als die der übrigen Werke Scheffels, und die nähere
Kenntnis dieſer Lieder iſt in unſerer Nation vereinzelt geblieben.
Gewiß iſt manches darin literariſch und gedacht, manches
Literatur- und Kulturgeſchichtsſchreibung in künſtleriſcher Form;
ſelbſt dieſe Stücke aber hätten als die unvergleichlich lebendige
Veranſchaulichung einer großen Epoche aus dem Leben unſeres
Volkes allgemeinere Aufmerkſamkeit verdient. Daß ſie die nicht
gefunden, liegt doch in erſter Linie an dem unglücklichen Stande
unſerer Bildung. Wir erfreuen uns nicht wie etwa unſere ſkan—
dinaviſchen Brüder eines ungebrochenen Zufammenhangs mit
unſer eigenen Geſchichte. Hätte der Dichter antike Vorwürfe ge—
wählt, er wäre allgemeinem Verſtändnis begegnet. Aber ſeine
Vorwürfe waren eben nur — deutſch, und da unſere Gebildeten mit
der Vergangenheit des eignen Volkes keine Fühlung haben, ſo
kamen ſeine Geſtalten in einen luftleeren Raum zu ſtehen; bedarf
doch bis heute altdeutſche Dichtung und altdeutſche Kunſt und
was auf ihnen ruht und aus ihnen fließt, für uns mühſamer Deu⸗
tung, um verſtändlich zu werden.

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