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Vorwort.
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„Frau Aventiure*“ will dies Büchlein heißen. Einſt
war ſie die vielgekannte und vielgenannte Freundin ſtreit-
barer und minnefreudiger Zugend, ein Weib ſchier gött—
lichen Urſprungs und Anſehens, das mit großer Gefolg—
ſchaft rauſchenden Umzug hielt durch die Lande und die
Welt mit Speerkrach, Reigenluſt und ſüßem Getön er⸗—
füllte. Gerne auch nahm ſie Einkehr bei Dichtern, ſaß trau⸗—
lich zu ihnen an das Herdfeuer, kürzte die Winternächte
mit vergeſſener Mären Erzählung, heilte die Wundſiechen
und tröſtete, wem durch Liebe Leid geſchehen war. „Tu'
auf!“ rief's pochend einſt vor Herrn Wolframs von Eſchen⸗
bach Kemenate, „tu' auf, ich will ins Herze hin zu Dir!“—
„Da begehrt Ihr zu engem Raume“, ſprach kühl ab—
wehrend der Überraſchte, aber ſchwichtigend mahnte es
wieder von außen: „Mein Dringen ſollt Du ſelten klagen,
ich will Dir nun von Wunder ſagen“ — und an ferneres
Türabſperren war nicht mehr zu denken. „Za ſeid Ihr's,
Frau Aventiure?“ grüßte der Freund von Pleyenfelden
gerührt der alten Freundin entgegen und nahm ſie auf
in die enge Herberge, und ſie offenbarte ihm, deſſen er
benötigt war, des jungen Parzival weitere Fahrtge—
ſchichten?.
Seitdem der Geſchütze Knall, der Maſchinen Hammer-
ſchlag und des Dampfwagens Pfiff die Lüfte durch—
ſchüttert, iſt der hehren Frau Getöſe verſtummt; auf
aà Bgl. „Parzival“ 435, 1.
* Sprich „Aventüre“, mittelhochdeutſche Form für „Abenteuer“ (aus
franz. aventure).
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